Betrug durch “Wunderheiler”

von Britta Wegner

1. Das Handeln eines Wunderheilers, der sich auf Pendeln, Handauflegen und Fernheilung beschränkt und den Behandelten nicht von der Inanspruchnahme von Ärzten abrät, kann straffrei sein. 2. Wirbt ein Wunderheiler damit, Krankheiten mittels seiner geistigen Kräfte heilen zu können, fehlt es am Täuschungsvorsatz, wenn er an seine entsprechenden übersinnlichen Fähigkeiten glaubt.

AG Gießen in NZS 2014, 667; Urteil vom 12.06.2014 – 507 Cs 402 Js 6823/11

Examensrelevanz: §§§§ – Fälle zum Betrug sind Klassiker in beiden Examina. Der hier vorliegende Fall ist deshalb von Interesse, weil der Betrugstatbestand mit der Begründung verneint wird, dass der Wunderheiler selbst an seine “magischen Fähigkeiten” glaubt und daher keinen Täuschungsvorsatz hatte. Der Fall bietet daher die Gelegenheit, sich ausführlich mit Fragen des subjektiven Tatbestandes auseinanderzusetzen.

Relevante Rechtsnormen: § 263 StGB

Fall: Der Angekl. behandelte in insgesamt 58 Fällen kranke Personen, welche durch entsprechende von ihm geschaltete Zeitungsanzeigen auf ihn aufmerksam worden waren. In diesen Anzeigen hatte der Angekl. für seine Fähigkeit geworben, mittels seiner geistigen Kräfte Menschen von Beschwerden wie Krebs, Demenz, Alzheimer, Körpervergiftung, Hepatitis, HIV, etc., heilen zu können. Bei den daraufhin erfolgten Besuchen bei ihm erstellte der Angekl. i. d. R. mittels eines Pendels eine Analyse des Gesundheitszustandes der einzelnen Organe des jeweiligen Hilfesuchenden und trug die Ergebnisse mit Kennziffern, die den Grad der Gesundheit oder Erkrankung bezeichnen sollten, in von ihm selbst entworfene Formulare ein. Nach dem Pendeln legte der Angekl. vielfach noch die Hände auf. In weiteren Fällen wurde er auch durch Fernheilung tätig, d. h. telefonisch oder sonst in Abwesenheit der Betroffenen. In keinem Fall riet er von der Konsultation von Schulmedizinern ab, in etlichen Fällen forderte er ausdrücklich dazu auf ...

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