Gewerbsmäßige Leichenfledderei mit der Kamera

von Mirko Laudon

Die Ent­schei­dung könnte Präzedenz-Charakter ha­ben: Ein „Blaulicht“-Reporter muss dem von ihm nicht aus­rei­chend an­ony­mi­sier­ten Un­fall­op­fer 10.000 Euro Schmer­zens­geld we­gen der Ver­öf­fent­li­chung die­ser Auf­nah­men vom Un­fall im In­ter­net zahlen.

Kurz nach Ein­tref­fen der Ret­tungs­kräfte war auch der Blaulicht-Reporter da

Das Un­fall­op­fer war am 20. Mai 2014 mit sei­nem schwe­ren Ge­län­de­wa­gen in Dors­ten von der Straße ab­ge­kom­men und mit ho­her Ge­schwin­dig­keit fron­tal ge­gen ei­nen Baum ge­prallt. Die Feu­er­wehr musste den Mann aus dem Auto schnei­den. Be­reits sehr kurz nach dem Un­fall war ein Blaulicht-Reporter vor Ort und hielt mit der Ka­mera drauf, wäh­rend der Fah­rer mit le­bens­ge­fähr­li­chen Ver­let­zun­gen ins Kran­ken­haus ge­bracht wurde. Nach An­ga­ben der Po­li­zei gebe es keine Hin­weise auf Al­ko­hol– oder Dro­gen­miss­brauch vor der Kol­li­sion, auch das Fahr­zeug weise kei­nen tech­ni­schen De­fekt auf. Wa­rum es zu dem Fron­tal­un­fall kam, ist noch im­mer ungeklärt.

Blaulicht-Reporter sind oft­mals noch vor der Po­li­zei und den Ret­tungs­kräf­ten vor Ort // Foto: Arno Ba­chert / pixelio.de

Do­ku­men­tiert hatte die Ret­tungs­maß­nah­men ein Re­por­ter ei­ner Pro­duk­ti­ons­firma in Es­sen, die sich auf Bil­der von Un­fäl­len und Ver­bre­chen spe­zia­li­siert hat – also Auf­nah­men, in de­nen Po­li­zei, Ret­tungs­kräfte und Blau­licht zu se­hen sind. Das Vi­deo von dem Un­fall stand noch am glei­chen Tag im In­ter­net, und auch noch viele Tage danach.

Am Tag nach dem Crash sei der Fah­rer in der Kli­nik auf die Kol­li­sion und ins­be­son­dere auf das im In­ter­net – etwa bei YouTube – kur­sie­rende Un­fall­vi­deo an­ge­spro­chen wor­den – für den Mann ein Schock, weiß Rechts­an­walt Ralf Hö­cker, der sich auf Presse– und Me­di­en­recht spe­zia­li­siert hat und den Fah­rer ge­gen den Blaulicht-Reporter vor Ge­richt ver­tre­ten hat ...

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