Von der Freiheit, sein Kind daheim zur Welt zu bringen

von Maximilian Steinbeis

Wer es erlebt hat, wird mir zustimmen: Es gibt kaum einen intimeren, mächtigeren, das Innerste buchstäblich nach außen kehrenderen Moment im Leben als die Geburt des eigenen Kindes. Bis zu welcher Grenze ist es dem Staat erlaubt, diesen Moment unter seine fürsorgliche Kontrolle zu bringen, zu meiner und meines Kindes Sicherheit, notfalls auch gegen meinen Willen?

Diese Frage sucht der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte heute in zwei tschechischen Fällen zu beantworten. Er plagt sich erkennbar dabei, springt aber im Ergebnis der Mutter und ihrer Freiheit, vor, während und nach der Geburt über sich selbst und über ihr Kind zu bestimmen, zur Seite.

In dem einen Fall geht es um das Thema Hausgeburt. Zwei tschechische werdende Mütter hatten geklagt, weil sie ihre Kinder zu Hause zur Welt bringen wollten, aber nicht konnten, weil es nach tschechischem Recht faktisch unmöglich ist, eine Hebamme zu finden, die einem dabei hilft. In dem zweiten Fall war eine Mutter mitsamt ihrem kerngesunden Baby von der Polizei zurück ins Krankenhaus gebracht worden, weil sie nach der Geburt nach Hause gegangen war, ohne dass die Ärzte das gebilligt hatten.

Darf der Staat Mütter, die nicht in die Klinik wollen, dazu zwingen? Wenn es zum Schutz des Kindes nötig ist, dann sicher ja. Aber es gibt offenbar keine wissenschaftliche Evidenz, dass Hausgeburten – sofern eine gute Hebamme dabei ist – für Mutter und Kind riskanter wären als solche im Krankenhaus. Allerdings auch keine, dass sie es nicht sind.

Nach Ansicht der Kammermehrheit im EGMR greift es in das Recht auf Privatleben (Art. 8 EMRK) der Mutter ein, ihr die Hausgeburt unmöglich zu machen. Die Geburt sei besonders intimer Aspekt des Privatlebens der Mutter, und wenn der Staat diesen Aspekt reguliert, bewege er sich im Schutzbereich von Art. 8 ...

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