Wenn der Mieter im Badezimmer mit einem venezianischen Spiegel ausspioniert wird

von Stephan Weinberger

Der Kläger mietete von der Beklagten ein Zimmer in einer ihrer Wohnungen in München. Die übrigen zwei Zimmer wurden an zwei weitere Mitbewohner vermietet. Bad und Küche teilten sich die drei studentischen Mieter. Nach einigen Monaten stellte ein Mitbewohner des Klägers seltsame Verfärbungen am Spiegel im Badezimmer der Wohnung fest. Bei genauerer Betrachtung stellte er fest, dass der Spiegel durchsichtig sein muss.

Er verständigte die Polizei. Es stellte sich heraus, dass es sich um einen venezianischen Spiegel handelte, der es ermöglichte, von einem für die Mitbewohner unzugänglichen Raum aus das Geschehen im Gemeinschaftsbad unbemerkt zu beobachten. Der Spiegel war fest mit der Mauer verbunden. Hinter dem Spiegel wurde ein kleiner Mauerdurchbruch festgestellt.

Hinter dem venezianischen Spiegel befand sich ein Abstellraum, in dem bei der polizeilichen Durchsuchung diverse Hefte und Videokassetten pornografischen Inhalts gefunden wurden. Der Mieter kündigte daraufhin das Mietverhältnis fristlos und verlangte auch die bereits bezahlte Miete zurück, da er der Meinung war, dass durch das Vorhandensein des venezianischen Spiegels der Mietzins auf Null zu mindern war.

Die Vermieterin war damit nicht einverstanden, gab allerdings zu, dass sie von der Existenz des Spiegels wusste. Sie vertrat allerdings der Meinung, es sei ja nur das Bad in seinem Wohnwert beeinträchtigt gewesen, nicht der Rest der Wohnung. Eine Minderung um 100 Prozent sei übertrieben.

Das Amtsgericht München gab der Klage vollumfänglich statt und führte aus:

Ein Mietverhältnis könne aus wichtigem Grund fristlos gekündigt werden ...

Zum vollständigen Artikel

Cookies helfen bei der Bereitstellung unserer Dienste. Durch die Nutzung erklären Sie sich mit der Cookie-Setzung einverstanden. Mehr OK