Kein Triumph, aber doch eine stille Freude: Kölner Landgericht lehnt Eröffnung des Hauptverfahrens wegen Oradour-Massaker ab

von Rainer Pohlen

Das Geschehen war zu schrecklich und das Leid der Opfer zu groß, als dass ich mich allzu lauthals freuen könnte über die heute Morgen verkündete Entscheidung des Kölner Landgerichts, durch welche die Eröffnung des Hauptverfahrens wegen Mordes in 25 Fällen und Beihilfe zum Mord in mehr als 600 Fällen gegen meinen bald 90-jährigen Mandanten abgelehnt wurde. Aber für den zur Tatzeit 19-jährigen Angeschuldigten ist es eine gute Nachricht, die nach meinem Dafürhalten auch der Sach- und Rechtslage entspricht.

Ich will hier nicht Alles wiederholen, was ich zu dem Fall bereits im strafblog berichtet haben, wer interessiert ist, kann Einzelheiten unter den nachfolgenden Links nachlesen:

Riesiges Medieninteresse an Oradour-Verfahren – Abmahnung an BILD geschickt

Die dumpfe Seite des BILD-Journalismus – Primitive Berichterstattung über ein NS-Verfahren ohne rechtsstaatliches Augenmaß

BILD entfernt abgemahnte Berichterstattung nach Zustellung der einstweiligen Verfügung

Das schreckliche Massaker von Oradour – Ein paar Gedanken zur Verteidigung eines ehemaligen SS-Mannes, der aus meiner Sicht nicht hätte angeklagt werden dürfen

Aus meiner Sicht zutreffend hat das Landgericht dargelegt, dass bei vernünftiger Würdigung der Beweislage eine hinreichende Verurteilungswahrscheinlichkeit nicht bejaht werden kann. Abgesehen davon, dass kaum noch lebende Zeugen vorhanden seien, beruhten die von der Staatsanwaltschaft angeführten wesentlichen Beweiserwägungen auf nicht hinreichend tragfähiger Grundlage. So sei die Provenienz einer Kompanie-Liste (sog. “Washingtoner Material”), aus welcher die Staatsanwaltschaft die Zugehörigkeit des Angeschuldigten zu einer bestimmten Gruppe eines bestimmten Zuges des III. Bataillons des SS-Panzergreandier-Regiments 4 “Der Führer” ableitete, genauso wenig geklärt wie der Zeitpunkt der Erstellung oder die inhaltliche Richtigkeit der Liste ...

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