Verteidigung auf RTL-Niveau…

von Thomas Wings

…kann ich nämlich auch.

Dem Mandanten wurde vorgeworfen, in einem Gedränge einem anderen mit der Faust ins Gesicht geschlagen zu haben, nachdem es zuvor ein wohl versehentliches Anrempeln gab. Nun war der Mandant aber nicht der Täter. Der Täter ist nach seinem Faustschlag zuerst zu seiner Begleitergruppe zurück und dann abgetaucht. Wenig später taucht die Polizei im Schlepptau mit dem Geschlagenen auf, welcher den Mandanten erkennt, obwohl er ihm in diesem Moment den Rücken zugedreht hat. Der Mandant wird also rausgefischt, die Personalien aufgenommen. Er bestreitet.

In den Folgewochen werden der Geschlagene und einer seiner Begleiter von der Polizei vernommen. Ihnen werden verschiedene Bilder vorgelegt, die übliche hanebüchene Wahllichtbildvorlage mit sieben “verfremdeten, virtuellen” Fotos und das des Mandanten. Beide Zeugen erkennen den Mandanten als Täter wieder. Kein Wunder – haben sie den Mandanten doch anlässlich der Festnahme (anhand seiner Kleidung) als Täter identifiziert und sich anschließend sein Gesicht eingeprägt. Es erfolgt die Anklage gegen den nach wie vor abstreitenden Mandanten.

Zwischenzeitlich erfährt der Mandant. welcher seiner Bekannten etwas angestellt haben soll. Dieser zeigt sich reumütig und ist bereit, seine Schuld zu gestehen. Man hätte natürlich noch vor der Verhandlung den Namen des wahren Täters offenbaren können, aber wir entschieden uns dazu, zunächst diese Verhandlung abzuwarten. Vielleicht erkennt der Geschlagene ja seinen Fehler und räumt ihn ein, dann müsste der Mandant den Namen seines Bekannten nicht nennen. Aber in der Hauptverhandlung zeigt sich der Herr Geschlagene selbstbewusst und vollkommen überzeugt davon, dass der Mandant auch diejenige Person sei, die ihn geschlagen habe ...

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