Gehört Angela Merkel hinter Schloß und Riegel?

von Oliver García

“Gehe in das Gefängnis. Begib Dich direkt dorthin. Gehe nicht über Los. Ziehe keine Bonuszahlung ein.” hieß es vor drei Wochen für den Wirtschaftskapitän Thomas Middelhoff, als ihn das Landgericht Essen wegen Untreue zu drei Jahren Gefängnis verurteilte (Urteil vom 14. November 2014 – 35 KLs 14/13) und gleichzeitig einen – zweifelhaften – Haftbefehl gegen ihn erließ.

Man kann, wie es der BGH-Richter Thomas Fischer in der ZEIT tat, diese Verurteilung und ihre Resonanz in der Öffentlichkeit zum Anlaß nehmen für ein still und stilvoll vor sich hin mäanderndes Psychogramm einer finanzkrisengebeutelten Gegenwartsgesellschaft. Man kann aber auch – viel bescheidener – versuchen, dieses Urteil rein juristisch zu bewerten. Um einen solchen Versuch soll es in diesem Beitrag gehen – in aller gebotenen Oberflächlichkeit, denn die schriftlichen Entscheidungsgründe liegen noch in weiter Ferne.

Die Middelhoff vorgeworfenen Untreuehandlungen (die Staatsanwaltschaft hatte aus der Insolvenzmasse der Arcandor AG ein Bündel von Anklagepunkten destilliert, von denen – nach diversen Einstellungen durch das Gericht – einige jetzt zur Verurteilung führten) lassen sich in zwei Kategorien einteilen: “Privatvergnügen” auf Firmenkosten und “bizarre Reisekosten” (Fischer). Der Gesamtschaden für Arcandor soll sich auf rund 500.000 Euro belaufen. Das – in der Presseberichterstattung – prominenteste Beispiel für die “Privatvergnügen” ist eine Festveranstaltung samt Festschrift, die Middelhoff für seinen früheren Mentor bei Bertelsmann, Mark Wössner, ausrichten ließ. Bei den Reisekosten geht es etwa darum, daß Middelhoff, genervt vom vielen Stehen im Stau, sich mit dem Hubschrauber ins Büro bringen ließ. In beide Kategorien könnte es fallen, wenn Middelhoff vorgeworfen wird, daß er sich die Kosten für eine Terminswahrnehmung in New York in seiner Eigenschaft als Verwaltungsratsmitglied der New York Times von Arcandor bezahlen ließ ...

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