Strafrecht-Klassiker: Der Katzenkönig fordert ein Menschenopfer

von Stephan Weinberger

Bei dem sogenannten Katzenkönigfall handelt es sich um einen Klassiker in der juristischen Ausbildung, wenn es um die Abgrenzung von Anstiftung zur mittelbaren Täterschaft geht. Der Fall ist an sich aber schon kurios genug und damit berichtenswert, zeigt er nämlich umso mehr, dass die Realität oft schlimmer als jedes Lehrbuch sein kann.

Das Landgericht Bochum hat am 15. September 1988 die Angeklagten H. und P. wegen versuchten Mordes zu lebenslanger, den Angeklagten R. zu einer Freiheitsstrafe von neun Jahren verurteilt und seine Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus angeordnet.

Mit ihren Revisionen rügen die Angeklagten die Verletzung materiellen Rechts; die Angeklagte H. hat ihre Revision auf den Strafausspruch beschränkt. Die Rechtsmittel führen jeweils zur Aufhebung des Strafausspruchs; im Übrigen haben die Revisionen der Angeklagten R. und P. keinen Erfolg.

Der Bundesgerichtshof führte in seinem Urteil aus:

Nach den Feststellungen lebten die Angeklagten in einem von “Mystizismus, Scheinerkenntnis und Irrglauben” geprägten “neurotischen Beziehungsgeflecht” zusammen. Der Angeklagten H. gelang es im bewussten Zusammenwirken mit P., dem leicht beeinflussbaren Angeklagten R. – einen Polizeibeamten – zunächst die Bedrohung ihrer Person durch Zuhälter und Gangster mit Erfolg vorzugaukeln und ihn in eine Beschützerrolle zu drängen.

Später brachten beide ihn durch schauspielerische Tricks, Vorspiegeln hypnotischer und hellseherischer Fähigkeiten und die Vornahme mystischer Kulthandlungen dazu, an die Existenz des “Katzenkönigs”, der seit Jahrtausenden das Böse verkörpere und die Welt bedrohe, zu glauben; R. – in seiner Kritikfähigkeit eingeschränkt, aber auch aus Liebe zu Barbara H. darum bemüht, ihr zu glauben – wähnte sich schließlich auserkoren, gemeinsam mit den beiden anderen den Kampf gegen den “Katzenkönig” aufzunehmen ...

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