Mandanten 2. Klasse – Fahnenflucht des Anwalts inklusive

von Tobias Röttger

Vor nicht allzu langer Zeit besuchte ich eine Fortbildungsveranstaltung zum Thema Urheberrecht. In der Pause ließen mich die Worte einer Kollegin an den Dozenten aufhorchen:

„Herr XY hat sich bei uns wegen der Filesharing Abmahnung gemeldet. Normaler Weise bearbeitet unser Sekretariat die Filesharing Fälle. Da er aber von Ihnen an uns verwiesen worden ist, habe ich mich ausnahmsweise der Angelegenheit selbst angenommen.“

Interessant, scheinbar sind in manchen Kanzleien Filesharing Mandanten, Patienten zweiter Klasse.

„Was haben Sie den für Beschwerden?“

„Ich habe den Verdacht auf den weit verbreiteten Filesharing-Virus und möchte den Doktor sprechen.“

„Nein, nein, Filesharing Patienten behandelt der Doktor nicht, das machen wir, die Sprechstunden-Hilfen – Untersuchung, Anamnese und Behandlung! Füllen Sie vorab schon mal den Fragebogen aus und vergessen Sie nicht anzukreuzen, welche Behandlungsmethode Sie wünschen. Die meisten Patienten entscheiden sich dazu, dass wir gemeinsam mit ihnen in der Hoffnung, dass der Virus keinen größeren Schaden anrichtet, die Angelegenheit aussitzen.“

Ad absurdum wird diese Arbeitsauffassung geführt, wenn auf der Kanzlei-Homepage immer wieder darauf hingewiesen wird, dass man einen Spezialisten benötigt, da es sich um eine urheberrechtliche Spezialmaterie handelt – was auch richtig ist – die vom „Haus“ Anwalt nicht behandelt werden kann ...

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