Das wird teuer: Anwaltliche Haftung wegen versäumter Klagefrist

von Christian Rolfs

Versäumt ein Rechtsanwalt trotz entsprechender Beauftragung durch den Arbeitnehmer die rechtzeitige Erhebung der Kündigungsschutzklage (§ 4 KSchG), ist er verpflichtet, ihm den hieraus resultierenden Schaden zu ersetzen. Hätte die Kündigungsschutzklage Erfolg gehabt, muss er ihm als Schadensersatz den entgagenen Arbeitslohn zahlen - bei einem befristeten Vertrag bis zu dessen vorgesehenem Zeitablauf.

Unter Zugrundelegung dieser Grundsätze hat das OLG Hamm einen Dortmunder Rechtsanwalt verurteilt, an den Kläger rund 330.000 Euro zu zahlen, und darüber hinaus festgestellt, dass ein möglicher weiterer Schaden bis zur Höhe von rund 640.000 Euro ebenfalls zu ersetzen ist.

In seiner Pressemitteilung berichtet das OLG:

Der Kläger war seit Oktober 2007 Cheftrainer der 1. Herrenmannschaft eines seinerzeit in der 2. Bundesliga spielenden Fußballvereins. Wenige Spieltage vor dem Abschluss der Saison 2007/2008 entließ der Fußballverein den Kläger aus seiner Verantwortung für die 1. Mannschaft. Grund waren sportliche Misserfolge der vom Kläger trainierten Mannschaft. Mit einem späteren Schreiben kündigte der Verein den ursprünglich mit dem Kläger bis Ende Juni 2010 abgeschlossenen Arbeitsvertrag vorzeitig ordentlich zum 31.12.2008. Der Kläger, der die Kündigung für unberechtigt hielt, beauftragte den beklagten Rechtsanwalt aus Dortmund mit der Wahrnehmung seiner Interessen. Gegenüber dem Fußballverein widersprach der Beklagte namens des Klägers der Kündigung, unterließ es jedoch, innerhalb der gesetzlich vorgesehenen dreiwöchigen Frist eine Kündigungsschutzklage zu erheben. Der Kläger hat gemeint, dass der Beklagte deswegen seine anwaltlichen Pflichten verletzt habe und Schadensersatz schulde. Als Schaden sei ihm der Verdienst zu ersetzen, den er bei regulärer Fortdauer des Trainervertrages ist zum 30.06.2010 hätte erzielen können ...

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