Das muss Liebe sein: Wenn Mandanten nachts um halb eins und morgens um viertel vor sechs anrufen

von Rainer Pohlen

Ich kenne Anwälte, die geben ihre Mobilnummer grundsätzlich nicht an Mandanten heraus und haben ihre Mitarbeiter/-innen entsprechend angewiesen, das auch nicht zu tun. Nicht einmal an Kollegen bzw. an Anrufer, die sich als solche ausgeben. Ich selbst habe da weniger Probleme. Meine Handynummer steht sogar auf meiner Visitenkarte, damit Mandanten mich in Notfällen jederzeit erreichen können, wobei ich in der Regel darum bitte, von dieser Möglicheit auch wirklich nur in Notfällen oder nach Absprache Gebrauch zu machen.

Seit einiger Zeit vertrete ich einen ganz wichtigen Mandanten, nennen wir ihn Herbert Knösel. Nicht etwa, dass er wichtiger wäre als andere Mandanten, aber das sieht er möglicherweise anders. Deshalb kontaktiert er mich inflationär mit sms, E-Mails und Anrufen und fragt alle Nase lang nach dem Stand der Sache an. Ob ich denn die Stellungnahme schon rausgeschickt hätte? Ob ich mit der Staatsanwaltschaft gesprochen hätte? Ob die Sache denn eingestellt werde?

“Herr Knösel, ich habe noch nicht einmal Akteneinsicht erhalten, wie soll ich denn da eine Stellungnahme abgeben?”, habe ich ihm schon mehrmals gesagt. “Sie werden von mir völlig ungefragt unterrichtet, sobald ich die Akte vorliegen habe, dann können wir die Angelegenheit besprechen.”

Herr Knösel hat intensiven Gesprächsbedarf. Immer wieder fällt ihm noch ein wichtiger Aspekt zu seiner Causa ein, den er mir unbedingt zeitnah mitteilen muss. Auch außerhalb der normalen Bürozeiten. “Herr Knösel schreiben Sie ihre Gedanken einfach auf,” habe ich ihm vorgeschlagen, “wir besprechen dann Alles einheitlich, sobald mir die Akte vorgelegen hat. Vorher kann ich die Relevanz ihrer Informationen ohnehin nicht so richtig einschätzen ...

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