Urteil als Gedicht - die Trunkenheitsfahrt des AG Höxter

von Julian Jansen

0,8-Promille-Rauschbrille

Die Adventszeit hat begonnen, die Zeit der Gedichte ist da. Auch bei Gericht treffen sich hin und wieder lyrisch Begabte, die mit viel Fantasie zeigen, dass auch in der Juristerei nicht jeder allzeit streng nach Vorschrift handelt.

So kam es zum berühmten Trunkenheitsfahrt-Urteil des Amtsgerichts Höxter. In der Sache war der Angeklagte alkoholisiert mit seinem Auto unterwegs. Seine Blutalkoholkonzentration betrug 1,1 Promille, sodass er als absolut fahruntüchtig galt und damit sogar eine Straftat gemäß § 316 StGB begangen hatte. Der Fahrer wurde zu einer Geldstraße in Höhe von 30 Tagessätzen (= etwa das Einkommen eines Monats; zur Berechnung siehe hier) verurteilt, ihm wurde die Fahrerlaubnis entzogen, für die Wiedererteilung erhielt er eine Sperre von fünf Monaten und der Führerschein wurde eingezogen.

Der zuständige Richter am Amtsgericht Dr. Hohendorf begründete sein Urteil wie folgt:

Am 3. 3. 95 fuhr mit lockerem Sinn

der Angeklagte in Beverungen dahin.

Daheim hat er getrunken, vor allem das Bier

und meinte, er könne noch fahren hier.

Doch dann wurde er zur Seite gewunken.

Man stellte fest, er hatte getrunken.

Im Auto tat's duften wie in der Destille.

Die Blutprobe ergab 1,11 Promille.

Das ist eine fahrlässige Trunkenheitsfahrt,

eine Straftat, und mag das auch klingen hart.

Es steht im Gesetz, da hilft kein Dreh,

§ 316 I und II StGB ...

Zum vollständigen Artikel


Cookies helfen bei der Bereitstellung unserer Dienste. Durch die Nutzung erklären Sie sich mit der Cookie-Setzung einverstanden. Mehr OK