Zeit zu trauern, Zeit zu richten

von Mirko Laudon

Ein Mensch ist gestorben. Tuğçe zeigte Zivilcourage, wollte zwei Mädchen helfen und wurde dadurch selbst Opfer. Dieses Schicksal lässt niemanden kalt – auch mich nicht.

Doch anstatt der Trauer ihren Raum zu geben, ist schon jetzt wieder der Ruf in den Medien nach einer „harten“ Bestrafung des Täters unüberhörbar. Damit sprechen sie zwar der Mehrheit aus dem Herzen, beschädigen damit zugleich jedoch den Rechtsstaat.

Zweifelsohne hat der Täter schwere moralische Schuld auf sich geladen. Doch darf man nicht verkennen, dass es sich bei diesem Fall – nach allem was man jetzt weiß – gerade nicht um eine Gewaltorgie handelte, wo noch auf jemanden eingetreten wurde, der schon am Boden lag. Eher stellt es sich so dar, dass es ein Schlag war – geführt mit der flachen Hand, nicht mit der Faust. Der Schlag beendete letztlich ein Leben, was keinesfalls zu verharmlosen ist. Die strafrechtliche Schuld beurteilt sich allerdings nach anderen Kriterien als die moralische. Der Täter hat keinen Menschen „totgeschlagen“, wie viele Medien vorschnell (ver-) urteilten ...

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