Der ganz normale Wahnsinn deutsch-britischer Erbfälle

von Bernhard Schmeilzl
Wer mit Konten auf den Britischen Inseln stirbt …

… macht seinen späteren Erben nur auf den ersten Blick eine Freude. In der Praxis beschert er seiner Verwandtschaft Kosten von etwa 3.000 bis 4.000 Euro und das zweifelhafte Vergnügen, etwa ein Jahr lang mit britischen Anwaltskanzleien und Gerichten zu korrespondieren. Denn der deutsche Erbschein per se ist in England wertlos. Bereits ein kleines Konto oder Aktiendepot, etwa bei Barclays oder HSBC, genügt: Die Erben müssen in UK das dortige Erbscheinsverfahren durchlaufen, mit erheblichem Aufwand und hohen Kosten. England selbst geht noch, da hier für britische Verhältnisse noch einigermaßen pragmatisch gearbeitet wird. Besonders absurd wird es aber bei Konten, Versicherungen, Aktiendepots oder anderen Geldanlagen in Schottland, Irland oder gar den Kanalinseln (Jersey, Guernsey).

Denn das Erbscheinsverfahren (genannt Probate oder – in Schottland – Confirmation) hat es auf den British Islands in sich. Nicht nur wollen die dortigen Anwälte von allem eine gerichtliche beglaubigte Ausfertigung mit Apostille sowie eine Certified Translation (also eine Übersetzung durch einen vereidigten Übersetzer) haben, was schon für sich allein Kosten von rund 400 bis 500 Euro generiert. Vor allem wenn der Erblasser ein deutsches notarielles Testament erstellt hat, wird es in UK teuer. Denn das Testament ist lang, muss übersetzt und dann auch noch juristisch erläutert werden. Denn mit Begriffen wie Erbe, Nießbrauch, Pflichtteil u.ä. kann der britische Nachlassrichter nichts anfangen. Dem britischen Nachlassrichter kommt es auch dubios vor, wenn man ihm sagt, dass man in Deutschland bei einem notariellen Testament gerade keinen Erbschein benötigt. Manchmal besteht der englische Probate Judge dann trotzdem stur auf einer Bestätigung durch das deutsche Nachlassgericht. Dann hat man also die dreifachen Kosten generiert: deutsches notarielles Testament, deutscher Erbschein und britischer Erbschein ...

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