AG Bergen: gemeinsames Sorgerecht bei unterschiedlicher Religionszugehörigkeit

von Klaus Wille

Religonszugehörigkeit und Sorgerecht (Foto: © Herby (Herbert) Me – Fotolia.com)

Die Tatsache, dass ein nicht verheirateter Vater ein Moslem ist, widerspricht nicht dem gemeinsamen Sorgerecht.

1. Sachverhalt

Die Eltern eines Kindes waren nicht miteinander verheiratet. Die Eltern hatten nach der Geburt des Kindes keine Sorgeerklärung abgegeben. Der Antragsteller beantragt das alleinige Sorgerecht aufzuheben und das gemeinsame Sorgerecht einzurichten. Die Antragsgegnerin beantragte den Antrag abzuweisen. Sie hat vorgetragen, dass ihr der Antragsteller der türkischer Staatsangehöriger sei und aus einer ländlichen Region in Ostanatolien stamme. Er sei gläubiger Moslem und “Traditionalist”, der sein Kind moslemisch erziehen wolle. Er habe ihm bereits unmittelbar nach der Geburt ein islamisches Gebet ins Ohr geflüstert. Er stamme aus einem Dorf, in dem praktisch ausnahmslos “Religionsfanatiker” leben würden.

2. Beschluss des AG Bergen vom 10.02.2014 (Az.: 4 F 2/14)

Das Amtsgericht gab dem Antrag des Kindesvaters statt. Die alleinige Angehörigkeit zu einer Religionsgemeinschaft könne dem nicht entgegenstehen. Das Gericht führte hierzu aus:

“Abgesehen davon, dass der Antragsteller eine traditionalistische oder fanatische Religionsausrichtung ebenso bestreitet wie das angebliche Gebet aus Anlass der Geburt und die Antragsgegnerin nicht ansatzweise Umstände vorträgt, an die diesbezügliche gerichtliche Ermittlungen anknüpfen könnten, ist ohnehin schon nicht erkennbar, dass dem Antragsteller eine Teilhabe an der elterlichen Sorge selbst für den Fall verweigert werden könnte, dass er tatsächlich ein “traditionalistischer” Moslem wäre. Auch eine orthodoxe Religionsauffassung ist bzw ...Zum vollständigen Artikel


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