Immobilien: Wucher bei zu geringem Kaufpreis?

von Mathias Münch

Wann ein weit über dem Marktwert der Immobilie liegender Kaufpreis wegen Wucher sittenwidrig ist, haben die Gerichte bereits geklärt. Aber kann auch ein Kaufvertrag mit einem zu kleinen Preis sittenwidrig und nichtig sein?

OLG Oldenburg, Urteil vom 2.10.2014 – 1 U 61/14

Landgericht und Oberlandesgericht Oldenburg haben dem Widerspruch eines ehemaligen Grundstückseigentümers gegen eine Eigentumsumschreibung im Grundbuch entsprochen, so dass der Eigentumswechsel am Grundstück nun rückgängig zu machen ist. Was war passiert?

Weniger als die Hälfte des Marktwertes – Wucher!

Die Kläger und ehemaligen Grundstückseigentümer waren in eine finanzielle Notlage geraten und hatten nur noch die Wahl zwischen Regen und Traufe: Entweder ließen sie es auf die Zwangsversteigerung ihrer zwei Eigentumswohnungen ankommen – dann hätten sie wohl ausziehen müssen – oder sie nahmen ein Kaufangebot über 90.000 € an und erhielten vom Käufer einen Mietvertrag. Der Marktwert der Wohnungen lag aber laut Sachverständigengutachten bei zusammen 187.000 €. Das ist Wucher, meinten die erste und zweite Instanz. Kennt der Käufer die Zwangslage der Eigentümer und erwirbt er die Immobilie für weniger als die Hälfte ihres Marktwertes, so liegt ein sittenwidriges Wuchergeschäft vor. Der Grundstückskaufvertrag ist dann nach § 138 Abs. 2 BGB nichtig!

Wucher durch Ausbeuten einer Zwangslage

§ 138 BGB bestimmt, dass ein sittenwidriges Geschäft nichtig ist. Die Verkäufer erhalten ihr Eigentum zurück. Weiter bestimmt § 138 Abs ...

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