Warum Schmerzensgeldtabellen kritisch zu sehen sind

Es gibt drei wesentliche Gründe dafür, warum Schmerzensgeldtabellen kritisch zu sehen sind:

  1. Schmerzensgeldtabellen berücksichtigen die Entwicklung der Rechtsprechung nicht ausreichend
  2. Schmerzensgeldtabellen berücksichtigen den Einzelfall nicht ausreichend
  3. Schmerzensgeldtabellen berücksichtigen nur Urteile, keine Vergleiche

Rechtsanwalt Malte Oehlschläger, Fachanwalt für Medizinrecht

Die Entwicklung der Rechtsprechung
Vergleichsurteile können niemals aktuell sein. Daran kann die sogenannte Indexanpassung auch nur wenig ändern. Denn gerade ältere Vergleichsurteile können die Tendenz zu höheren Schmerzensgeldern nicht berücksichtigen. Der Vorsitzende Richter am OLG Köln a.D. Jaeger stellte in einer Veröffentlichung hierzu fest, “…dass Instanzgerichte lange Zeit nur auf alte Entscheidungen zurückgreifen konnten, die wiederum Erkenntnisse verwerten, die viele Jahre vor dem Entscheidungsjahr lagen. Auf diese Weise mussten Erkenntnisse zur Schmerzensgeldhöhe stets Jahre, oft Jahrzehnte, hinter der wirtschaftlichen Entwicklung herhinken, eine Dynamik konnte sich nicht einstellen.” (Jaeger/Luckey, Schmerzensgeld, 3. Auflage 2006, S. 7)

Der Einzelfall
Kein Fall ist wie ein anderer. Stets müssen alle Umstände des Einzelfalls berücksichtigt werden. Dies bestätigt auch die Rechtsprechung, wie beispielsweise das Kammergericht in Berlin: “…soweit die Beklagten unter Berufung auf den Gleichheitsgrundsatz vermeintlich vergleichbare Entscheidungen zitiert haben, sei angemerkt, dass eine solche Gleichbehandlung faktisch nicht realisierbar ist. Entscheidungen vergleichbarer Fälle mögen im Vorfeld der Entscheidungsfindung Orientierungsgesichtspunkte bieten, können jedoch nicht Grundlage der Schmerzensgeldbemessung des konkreten Falls im Urteil sein… ...

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