Das Middelhoff-Urteil als „Turning Point“

von Mirko Laudon

Noch im Oktober griffen wir die Frage auf, warum es im Wirtschaftsstrafrecht nur zu wenigen Verurteilungen komme. Mehr als ein Dutzend ehemaliger Top-Manager von deutschen Banken mussten sich im Jahr 2014 in Strafprozessen vor Gericht verantworten – verurteilt wurde jedoch kein einziger. Bis zum Urteil gegen Thomas Middelhoff am vergangenen Freitag.

Natürlich war Middelhoff nicht wegen riskanter Finanzgeschäfte, allerdings auch wegen Untreue angeklagt. Anders als den Bankmanagern warf die Staatsanwaltschaft ihm einen persönlichen Vermögensvorteil vor, der dadurch entstand, dass er privat veranlasste Kosten seinem ohnehin angeschlagenen Unternehmen aufbürdete. Das Urteil gegen Middelhoff könnte demnach einen Wendepunkt markieren, wie die Justiz deutschen Top-Managern begegnet.

„Die Festnahme im Gerichtssaal vor Rechtskraft des Urteils ist ein sehr scharfes Vorgehen“, sagt etwa auch Heiner Hugger, Compliance-Experte und Partner bei Clifford Chance in Frankfurt gegenüber dem Handelsblatt, das den Auswirkungen des Urteils heute ausführlich darstellt. „Das Urteil hat Signalwirkung, nicht nur für künftige Strafverfahren gegen Manager, sondern auch für die Compliance-Praxis in Unternehmen.“

Es ist zu vermuten, dass die harte Verteidigungslinie Middelhoffs und seiner Verteidiger die Sache eskaliert hat. Er zeigte sich vor Gericht stets uneinsichtig und sah die Vorwürfe gegen ihn insgesamt als nicht berechtigt an, die ihn zudem in seiner Würde und seinem Ehrgefühl verletzen würden ...

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