The Big T

von Christian Wolf

Ehrlich gesagt hat das Urteil gegen Thomas Middelhoff schon überrascht. Weniger die Verurteilung, mehr jedoch das Strafmaß. Die Staatsanwaltschaft hatte drei Jahre drei Monate gefordert. Wenn man den normalen Verlauf solcher Wirtschaftsstrafprozesse zugrunde legt, hätte das bedeutet: Bei gutem Prozessverhalten des Angeklagten läuft das auf bis zu zwei Jahren Haft – ausgesetzt zur Bewährung – hinaus, bei schlechtem Verhalten zwei Jahre mit kleinem Zuschlag ohne Bewährung. Aber drei Jahre? Drei Monate unterhalb der Forderung der Staatsanwaltschaft?

Der Essener Fenstersprung

Den Strafprozess habe ich nur am Rande in den Medien verfolgt, insbesondere das skurrile Nebengeschehen auf dem Gebiet der Zwangsvollstreckung. Einem Angeklagten vor dem Verhandlungssaal, in der gerade seine Strafsache verhandelt wird, eine Taschenpfändung abnehmen zu lassen, ist schon ein sehr merkwürdiger Akt. Sehr nachdenklich hat mich jedoch der “Essener Fenstersprung” gestimmt, als der Angeklagte beim Gerichtsvollzieher die Vermögensauskunft leistete (früher Offenbarungseid), dann aus einem Fenster kletterte und über ein Garagendach in den Hof sprang, um sich dann – nach eigenem Bekunden – “fröhlich pfeifend” in einer Nebenstraße ein Taxi heranzuwinken, “um zu Gesprächen und Verhandlungen zu fliegen”. Die Einlassung in Form eines Interviews in einem bundesweit erschienenen Magazin, hätte doch Alarmglocken läuten lassen müssen: Da ist mit der Eigenwahrnehmung etwas nicht so ganz im Reinen ...

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