Die vergessenen Kinder von Leipzig

von Liz Collet

“Die vergessenen Kinder von Leipzig” behandelt eines der aufwendigsten Projekte zur Aufarbeitung von Euthanasie-Verbrechen. Wissenschaftler wollen die Schicksale von über 10.000 in Sachsen getöteten Menschen aufklären. Der Tod behinderter Kinder im Dritten Reich wurde lange vertuscht, die systematisch von Ärzten und Pflegern ermordet wurden. Ein Zentrum der Kindereuthanasie war Leipzig.

Ärzte und Pfleger töteten im Dritten Reich mindestens 200.000 Menschen: Behinderte, psychisch Kranke oder Menschen, die nicht der Norm entsprachen. Opfer, die man bis 1941 vergaste, sind meist namentlich bekannt. Aber auch danach ging das Morden in den Krankenanstalten weiter. 70 Jahre danach fragen immer wieder Angehörige nach ihren Verwandten.

Allein in Sachsen könnte es über 10.000 getötete Männer, Frauen und Kinder geben, die bislang nicht als Mordopfer identifiziert wurden. Ein Forschungsprojekt der Gedenkstätte für Euthanasieverbrechen in Pirna Sonnenstein will das nun ändern.

In der Reportage zu Wort kommt auch der 48-jährige Ulrich Dehe, der eines Tages das Schweigen seiner Familie über ein schon als Kind wahrgenommenes und empfundenes offenbar von seinen Großeltern gehütetes Geheimnis nicht mehr ertrug: Auf den Kinderbildern seiner Mutter gibt es einen Bruder, der noch als Kind verstarb. Ein Kind, das als geistig behindert galt und über das nie gesprochen wurde. Nach langen Recherchen weiß er nun, dass sein Onkel in Leipzig Dösen getötet wurde. Hier töteten Ärzte in gleich zwei sogenannten Kinderfachabteilungen. In der Universitätskinderklinik und in der Anstalt Dösen starben wahrscheinlich 900 behinderte Kinder.

In Sachsen ist die Suche nach Namen besonders brisant. Aus Familien und Heimen verschwanden über 1.400 behinderte Kinder und Jugendliche und wurden ermordet – mehr als überall sonst in Deutschland. In Leipzig begannen die reichsweiten Euthanasieverbrechen ...

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