Moralisch degeneriert

von Udo Vetter

Ich habe nichts dagegen, wenn Staatsanwälte im Plädoyer ihre persönliche Meinung und Emotionen einbringen. Das tue ich als Anwalt ja auch. Was ich allerdings gestern in Süddeutschland an einem Amtsgericht erlebte, ist mir schon lange nicht mehr passiert. Ich war echt ziemlich sauer über die Worte des Staatsanwalts, denn in seinem Eifer, sich selbst öffentlichkeitswirksam zu positionieren, verlor der Mann seine eigentliche Aufgabe aus dem Auge.

Der Staatsanwalt beschränkte sich im wesentlichen darauf, meinen Mandanten in den Schmutz zu ziehen. Und zwar mit reinen Werturteilen, von denen “moralisch degeniert” noch ein eher harmloses ist. Das war schon mehr als die übliche Effekthascherei mit Blick auf die Vertreter der Lokalpresse. So einem Mann, dachte ich schon da, würde ich in einem Unrechtsstaat ungern als Angeklagter gegenübersitzen.

Vor allem dachte ich das auch deswegen, weil die unangenehme Einleitung des Plädoyers nicht in das überging, was normalerweise jeder Staatsanwalt zu liefern verpflichtet ist. Nämlich in eine Darlegung, warum der in der Hauptverhandlung festgestellte Sachverhalt ein Strafgesetz verletzt. Das ist juristisches Handwerk. Aber dafür sah der noch recht junge Ankläger offenbar keine Veranlassung ...

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