Angeklagt: Der smarte Selbstdarsteller vom „Islamischen Staat“

von Holger Schmidt

Islamistenprozess in Stuttgart Stammheim

Der Kontrast könnte kaum größer sein: Höchste Sicherheitsstufe im Mehrzweckgebäude des Oberlandesgerichts Stuttgart am legendären Standort in Stuttgart-Stammheim – und drei smarte Angeklagte in ordentlicher Oberbekleidung, herausgeputzt wie zum Vorstellungsgespräch. Der Anklagevorwurf: Mitgliedschaft beziehungsweise Unterstützung der Terrormiliz „Islamischer Staat“, deren Gräueltaten weltweit für Entsetzen sorgen. Dagegen nur leicht überspannt wirkende Angeklagte, die sich bemühen, wie die netten Jungen von nebenan herüberzukommen. Das soll der real existierende Terror des selbsternannten Gottesstaats sein? Offenkundig. Denn schon in den ersten Sätzen der Angeklagten zu ihrer Person und den Vorwürfen gaben den Blick frei hinter die Fassade. Daran konnte auch nichts ändern, dass sich ihre Verteidiger offensichtlich im Vorfeld bemüht hatten, ihre „Jungs“ zu positionieren. Aber es gibt doch deutliche Unterschiede zwischen einem Vorstellungsgespräch und der Einlassung in einer Hauptverhandlung. All das geschah schon am 05. November, hier trage ich die Ereignisse nach.

Zunächst hatten die Verteidiger erwartungsgemäß versucht, dem Verfahren einige Steine in den Weg zu legen (wer an solcherlei Details kein Interesse hat, darf von hier aus die Abkürzung nehmen und diesen sowie den folgenden Absatz auslassen). Drei der fünf Anwälte haben einschlägige Terrorismus-Erfahrung: Stefan Holoch (Ismail I.) aus Stuttgart bereits in der zweiten Generation und im Privatleben. Schon sein Vater verteidigte in RAF-Verfahren, er selbst ist der Nenn-Onkel (darf man bei einem Islam-Konvertiten eigentlich noch von Patenonkel sprechen?) eines Mannes aus der Islamistenszene, gegen den die Staatsanwaltschaft zwar jahrelang, aber ohne Fortune ermittelte. Am OLG Koblenz verteidigte Holoch zudem zusammen mit Michael Ried aus Waldbronn im „Zweiten Al Qaida-Verfahren“ ...

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