Mythos „sofortige“ Scheidung (in Deutschland und UK)

von Bernhard Schmeilzl
Gibt es sie überhaupt? Wenn ja, unter welchen Voraussetzungen? Ein Vergleich der Scheidungsvoraussetzungen in Deutschland und England

Internet-Foren sind voller herzzerreißender Berichte unglücklicher Ehegatten, zum Beispiel „Kurz nach der Hochzeit alles aus“ oder „Die Hochzeit war ein Fehler“. Nun ja: Irren ist menschlich, auch bei der Partnerwahl. Wer in einer solchen Partnerschaft fest steckt, will in der Regel so schnell wie möglich da raus und die Kurve in ein neues besseres Leben kriegen. Das deutsche Recht verhindert aber überstürzte Scheidungen durch das obligatorische Wartejahr, zumindest ist das die Regel. Gibt es doch die Möglichkeit, sich schneller aus einer Ehe zu lösen? Notfalls im Ausland?

Die Voraussetzungen, unter denen eine Ehe aufgehoben oder – zum Teil auch sofort – geschieden werden kann, sind den meisten europäischen Staaten mittlerweile ähnlich. Dennoch gibt es kleine Unterschiede, die im konkreten Fall das Zünglein an der Waage sein können. Im Folgenden zeigen wir die Unterschiede der Scheidungsregeln zwischen Deutschland und England.

1. Die „sofortige“ Scheidung in Deutschland

Nach der „sofortigen“ Scheidung, der sog. Härtefallscheidung wird im anwaltlichen Alltag häufig gefragt. In Deutschland ist sie aber seit den 70er Jahren sehr selten geworden und nur noch ein Ventil für ganz außergewöhnliche Fälle. Ein solcher Härtegrund wird dann angenommen, wenn das Fortbestehen der Ehe eine unzumutbare Härte für einen der Ehepartner darstellt. Die Begründung der unzumutbaren Härte kann nur mit Umständen von ganz besonderer Bedeutung gelingen. Die Rechtsprechung ist dabei sehr streng.

Diese Gründe müssen weder unbedingt zum Scheitern der Ehe geführt haben, noch müssen sie durch den anderen Partner schuldhaft herbeigeführt worden sein. Wichtig ist jedoch, dass sich die unzumutbare Härte auf das Fortbestehen der Ehe als rechtliche Verbindung, und nicht „nur“ auf die Unzumutbarkeit des Zusammenlebens bezieht ...

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