Strenge Architektenhaftung für Beratungsfehler

von Reinhold Brandt

Mal wieder ein interessanter Fall aus einem anderen Rechtsgebiet, örtlich angesiedelt nicht weit von Münster, gleich hinter der niedersächsischen Grenze:

Der spätere Beklagte wünschte die Errichtung eines Einfamilienhauses in eingeschossiger Bauweise. Er macht geltend, dass sein Architekt ihn dahin informiert habe, dass in dem betreffenden Baugebiet ein eingeschossiges Haus nicht genehmigungsfähig sei. Nur deshalb habe er sich mit einem zweigeschossigen Haus einverstanden erklärt. Er beauftragte den Architekten mit der entsprechenden Planung und Bauleitung. Später kam es aus verschiedenen Gründen zu erheblichen Differenzen, zur Kündigung des Architektenvertrages und zum Abriss des bereits fertig gestellten Rohbaus. Landgericht und Oberlandesgericht sprachen dem klagenden Architekten restliche Vergütungsansprüche zu und wiesen die auf Schadensersatz gerichtete Widerklage des beklagten Bauherrn ab. Den behaupteten Beratungsfehler hielten sie für unerheblich. Das sah der BGH anders (Urteil vom 10.07.2014 – VII ZR 55/13):

"Rechtsfehlerhaft hält das Berufungsgericht das Vorbringen des Beklagten für unerheblich, der Kläger habe ihn darüber getäuscht, dass eine eingeschossige Bauweise in dem Baugebiet nicht zu verwirklichen gewesen sei und er sich nur aus diesem Grund mit der vom Kläger vorgeschlagenen zweigeschossigen Bauweise einverstanden erklärt habe. Trifft dieses Vorbringen zu, … steht dem Beklagten dem Grunde nach ein Schadensersatzanspruch wegen der im Zusammenhang mit der Planung, Errichtung und dem Abriss des Gebäudes aufgewendeten Kosten gemäß § 634 Nr. 4, §§ 636, 280, 281 BGB zu. Zu einem solchen Schadensersatzanspruch kann auch eine fehlerhafte Grundlagenermittlung führen (…) ...

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