Ein Freispruch ist ein Freispruch, da geht nichts dran vorbei!

von Rainer Pohlen

Der Zeuge an sich ist ein sonderbares Wesen. Er ist – je nach Verfassung – im Auftreten sicher und bestimmt, unsicher und zagend, lebenserfahren oder weltfremd, direkt in der Ansprache oder um den heißen Brei herumredend, offen oder verstockt, auftrumpfend oder verlegen. Mir würden sicher noch eine ganze Menge weiterer passender Adjektive einfallen, aber damit will ich es erst einmal bewenden lassen.

Zeugen können um die Wahrheit bemüht sein oder lügen, Letzteres geschickt oder dummdreist, sie können irren oder falsch assoziieren, und natürlich können sie verwechseln und vergessen. Letzteres müssen sie im Rahmen ihrer Wahrheitspflicht vor Gericht offenbaren, aber das setzt ja neben der Bereitschaft zur Wahrheit voraus, dass der Zeuge dies überhaupt erkennt. Wir Menschen neigen ja dazu, Lücken im Gedächtnis mit allerlei dubiosen Methoden zu schließen, mit allgemeinen Erfahrungssätzen, mit Schlussfolgerungen, wie es denn eigentlich gewesen sein müsste, oder mit vermeintlichem Wiedererinnern, wenn uns frühere Bekundungen oder die Aussagen anderer Zeugen vorgehalten werden. Wir setzen das dann bisweilen mit einer Erinnerung gleich und sind uns gar nicht der Tatsache bewusst, das da möglicherweise etwas nicht stimmt.

Gestern habe ich als Verteidiger an einem Zeugenprozess vor dem Düsseldorfer Amtsgericht wahrgenommen. Es ging um eine Schlägerei nach einem Junggesellenabschied, an der nach unterschiedlichen Angaben zwischen 10 und 20 Personen beteiligt gewesen sein sollen. Die Polizei war schnell hinzugekommen. Das ganze fand in den frühen Morgenstunden zwischen Altstadt und Königsallee statt, und vorangegangener Alkoholkonsum auf allen Seiten (bis auf die Polizei) hat auch ein Rolle gespielt ...

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