Wer Bankkonten oder Depots in UK oder auf den Channel Islands erbt…

von Bernhard Schmeilzl

… braucht Geduld, gute Nerven und Geld. Die dortigen Banken und Versicherungsgesellschaften geben die Guthaben (Assets) nämlich erst frei, nachdem der Berechtigte sich durch Vorlage eines Erbscheins ausgewiesen haben, den ein dortiges Gericht erlassen hat, in der Regel der Royal Court of Jersey (Abteilung Judicial Greffe). Der deutsche Erbschein für sich allein ist dort wertlos, was viele unserer Mandanten zunächst nicht glauben können. Für UK haben wir das Thema hier ausführlich dargestellt. In Schottland ist es noch etwas langwieriger: Unter sechs Monaten Bearbeitungsdauer geht es dort nach unserer Erfahrung selbst in einfachen Fällen selten ab (Details zum Erbschein in Schottland hier).

Am “spannendsten” ist es aber, wenn der Erblasser Konten auf den Kanalinseln (Channel Islands) hatte, also auf Guernsey, Jersey, Isle of Man etc. Dort läuft nämlich alles wieder nach gänzlich eigenen Regeln (siehe hier für Erbscheinsanträge auf Jersey und hier ). Selbst wenn ein englischer Grant of Probate vorliegt, weil der Erblasser auch Vermögen in UK hatte, so muss für die Nachlassgegenstände auf den Channel Islands wiederum ein völlig eigener Erbschein beantragt werden. Dazu müssen die Erben entweder selbst anreisen und den Antrag beim Nachlassgericht stellen (z.B. beim Royal Court of Jersey) oder aber eine Anwaltskanzlei vor Ort beauftragen. Auch in einfachen Fällen, wenn der Erblasser also non-domiciled in Jersey war und der Erbfall eindeutig nach deutschem materiellen Recht zu bewerten ist, so muss der Erbe mindestens folgende Dokumente vorlegen:

  • Sterbeurkunde (Death Certificate)
  • Erbschein / Gemeinschaflicher Erbschein (oder Testamentsvollstreckerzeugnis)
  • Testament

Alles öffentlich beglaubigt bzw. mit Apostille ...

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