Berufene Richter

von Alexandra Braun

Ermittlungsakte in einer Sexualstrafsache, etwas über 1000 Seiten. Ein sehr häßlicher Vorwurf, neun Beschuldigte. Hausdurchsuchungen bei allen, Telekommunikations-überwachung. Ein Mitbeschuldigter wird von einem Kriminalbeamten vernommen. 200 Seiten, das Lesen eine einzige Quälerei. Dem Beamten merkt man die Frustration, nicht die gewünschten Informationen zu bekommen, von Frage zu Frage mehr an. Der Beschuldigte will nicht sagen, zumindest nicht, wenn es ernst wird. Gepöbel des Vernehmungsbeamten “Ich duz´Dich, Du siezt mich, klar!”

An einer Stelle flippt der Vernehmungsbeamte schier aus. Der von ihm vernommene Jugendliche sagt, dass der Richter ja auch nur seinen Job mache, ihn hoffentlich ordentlich mache und bei Aussage-gegen-Aussage ja überlegen müsse, was richtig sei. Der Beamte wird laut:

“Richter! Das ist nicht nur ein Job! Richter sind die Elite unseres Staates. Sie haben ein schweres Studium hinter sich, da waren sie auch noch besonders gut! Richter ist kein Job, es ist eine Berufung!”

Dabei soll das Studium der Rechtswissenschaften ja leicht sein. Sagt einer, der es wissen muss, nämlich Thomas Fischer (Richter am BGH) ...

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