Gesteh!

von Thomas Wings

Manchmal kommt man sich bei Gericht so vor wie bei der von Monty Python dargestellten spanischen Inquisition (“Confess!”). Ich verteidige einen Mandanten, der wegen eines Sexualdelikts zu sechs Jahren verurteilt wurde. Er kam erst nach seiner Bestrafung zu mir und bat mich um Hilfe. Er beteuerte und beteuert anhaltend seine Unschuld. Die ihm vorgeworfenen Taten selbst liegen schon lange Jahre zurück; alles soll sich im vergangenen Jahrhundert ereignet haben. Ungewöhnlich war bereits, dass der Mandant vor seinem Verfahren nicht in Untersuchungshaft genommen wurde. Das ist zwar auch nicht nötig gewesen, die Justiz ruft in vergleichbaren Fällen normalerweise immer “Fluchtgefahr” – ob sie nun vorliegt oder nicht – und inhaftiert. Hier aber nicht. Wegen der bescheidenen Konstitution des Mandanten erfolgte auch nach der Verurteilung zunächst rund 2 Jahre lang kein Haftantritt. Und nochmals ungewöhnlich war dann die sofortige Verlegung in den offenen Strafvollzug. Irgendwie wird man den Eindruck nicht los, dass die den Mandanten betreuenden Personen zumindest wegen seiner Konstitution Mitleid hatten; wenn nicht der ein oder andere auch seine Unschuld in Betracht zieht.

Nun stehen wir vor der Frage vorzeitiger Haftentlassung. Zwei Drittel der Strafe sind längst um. Schon einmal wurde ein Entlassungsantrag von der Strafvollstreckungskammer abgelehnt. Zwar liegt eine hervorragende Führung des Mandanten im Knast vor, er hat sich dort nie etwas zu schulden kommen lassen und hat regelmäßig Ausgänge. Aber er leugne die Tat, deshalb sei er nach wie vor gefährlich ...

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