Hoeneß-Urteil: Landgericht München dreht bei

von Mirko Laudon

Das Ur­teil ge­gen Uli Ho­eneß steht zwar seit ei­nem hal­ben Jahr fest, die Ur­teils­gründe ken­nen je­doch bis­lang nur we­nige. Das Ur­teil W5 KLs 68 Js 3284/13 wurde nicht ver­öf­fent­licht, An­fra­gen von Wis­sen­schaft­lern oder Jour­na­lis­ten seien stets ab­ge­lehnt wor­den, be­rich­tete Staats­recht­ler Jo­chen Zent­hö­fer vor­ges­tern in der Frank­fur­ter All­ge­mei­nen Zei­tung un­ter dem Ti­tel „Mün­chen mau­ert“. Da­nach kam Be­we­gung in die Ge­schichte – der Se­sam öff­net sich!

Ver­stoß ge­gen die Pressefreiheit

Zent­hö­fer sieht in der bis­he­ri­gen Nicht­ver­öf­fent­li­chung der Ur­teils­gründe ei­nen Ver­stoß ge­gen die ver­fas­sungs­recht­lich ga­ran­tierte Pres­se­frei­heit. Da­nach be­stehe ein „An­spruch auf zeit­nahe Über­mitt­lung von Ur­tei­len, auch Straf­ur­tei­len“. Stein des An­sto­ßes war Prof. Dr. Wal­ter Gras­nick, Ho­no­rar­pro­fes­sor für Straf­recht und Rechts­phi­lo­so­phie an der Uni­ver­si­tät Mar­burg und Ober­staats­an­walt a.D. – er hatte in zahl­rei­chen Te­le­fo­na­ten ver­sucht, an eine Ab­schrift des Hoeneß-Urteils zu ge­lan­gen und die Hin­hal­te­tak­tik des Ge­richts be­klagt. Dies nahm er zum An­lass am 28.10.2014 – dem Tag des Er­schei­nens des Ar­ti­kels in der FAZ – eine Dienst­auf­sichts­be­schwerde ge­gen die Presse­de­zer­nen­tin am Ober­lan­des­ge­richt Mün­chen An­drea Titz anzustrengen.

Gras­nick spe­ku­liert, es könnte zwi­schen Pro­zess­be­tei­lig­ten im Hoeneß-Verfahren weit­rei­chende Ab­spra­chen ge­ge­ben ha­ben. Da­für spre­chen die di­rekt nach­ein­an­der ter­mi­nier­ten Sit­zungs­tage so­wie die Tat­sa­che, dass Staats­an­walt Achim von En­gel in der Haupt­ver­hand­lung „keine ein­zige Frage ge­stellt habe“. De­tails wür­den al­ler­dings erst die Ur­teils­gründe of­fen­ba­ren. Man kenne bis­lang nur „den trau­ri­gen Fall des er­wei­ter­ten Sui­zids“ ...

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