Zwischen Kaffeesatz und Wahrheit

von Mirko Laudon

Sachverständige sind aus dem Justizalltag nicht mehr wegzudenken. Wann immer ein Gericht nicht weiterkommt, beauftragt es einen oder mehrere Sachverständige.1 Diese beurteilen dann im Strafprozess die Spuren der Tat, die Verletzungen der Opfer oder auch die Glaubwürdigkeit der Zeugen. Sie vermitteln dem Gericht den Sachverstand, den sie aufgrund ihrer Ausbildung haben, dem Gericht – in der Person des Richters – aber fehlt.

Oft geht es nicht ohne: Sachverständigen-Gutachten in der Strafakte // Foto: plumbe / pixelio.de

Wahrscheinlichkeit, nicht Wahrheit

Immer wieder stehen Sachverständige oder ihre Gutachten in der Kritik – mal berechtigt, häufig weniger berechtigt. Die Sachverständigen haben ohne Frage im Verfahren oft außerordentlich großen Einfluss auf das Urteil, auch wenn sie lediglich die Vorarbeit leisten, wie Renate Volbert vom Berliner Institut für Forensische Psychiatrie in Berlin betont:

Letztlich machen wir in Gutachten Wahrscheinlichkeitsaussagen, die Beweisbeurteilung obliegt dem Gericht.

Volbert war maßgeblich am Prozess beteiligt, als der 1. Strafsenat am Bundesgerichtshof 1999 Mindestanforderungen für aussagepsychologische Begutachtungen festschrieb, die bis heute das Maß der Dinge für die Glaubhaftigkeitsbegutachtung im Strafprozess sind (BGHSt 45, 164). Meistens geht es darin um die Frage, ob eine Aussage durch bloße Suggestion entstanden sein könnte, etwa wenn ein Kind durch wiederholte intensive Befragungen eine Pseudoerinnerung aufgebaut hat: Es glaubt dann fest, das Geschehen selbst erlebt oder gar erlitten zu haben. Das kann allerdings auch der Fall sein, wenn das Kind mit der Erwartung einer bestimmten Aussage unbewusst (oder manchmal auch bewusst) unter Druck gesetzt worden ist.

Manchmal geht es tatsächlich darum, Lügner zu überführen ...

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