Ein Pups, eine Art von Dschungelcamp und die Menschenwürde

von Michael Hilpüsch

Machen wir uns doch nichts vor: Wer einmal längere Zeit im Krankenhaus im Mehrbettzimmer gelegen hat, dem ist nichts Menschliches und Allzumenschliches mehr fremd. Da wird gegrunzt, geröchelt, gehustet, geschnarcht, geweint, geschrien, geheult, gewimmert, gekichert, gelacht, gerufen und – nicht zu Letzt – tatsächlich auch gefurzt. Das ist ja auch kein Wunder, so ist der Mensch eben. Und das scheinen viele vergessen oder verdrängt zu haben. Früher lagen die Kranken in langen Reihen in Sälen und einzelne waren manchmal durch einen Paravent vor Blicken geschützt (oder verborgen, je nach dem , wie man es nimmt). Heutzutage wäre eine solche Massenabfertigung undenkbar. Heutzutage soll doch bitte das Einzelzimmer der Standard sein. Mit eigener Dusche und WC und Zimmerservice. Denn man will separiert sein vom ganzen Geröchel, von dem anderen kranken Geschmeiß und dessen Ausdünstungen und Ausscheidungen. Wie unangenehm, das alles!

Tatsächlich: In schwieriger Zeit einfach ungestört in Ruhe gesund werden hat etwas Komfortables und Entspannendes. Der Wunsch kann ohne Weiteres nachvollzogen werden.

So verwundert es nicht, dass eine Patientin im 75. Lebensjahr für ihre stationäre Krankenhausbehandlung ein Einbettzimmer wählte, was letztlich mit gut 1.000 EUR zu Buche schlug. Dieses Geld wollte Sie von ihrer Krankenkasse erstattet haben, die jedoch den Antrag ablehnte und den Widerspruch zurückwies. Dagegen klagte die Patientin vor dem Sozialgericht und begründete ihren Anspruch mit einem Verstoß gegen die Menschenwürde, Art. 1 Satz 1 GG, denn

“in Mehrbettzimmern sei man durchgehend einem gewaltigen Stress ausgesetzt. Der Kranke erlebe eine Art Dschungelcamp. Nachts komme man nicht zum Schlafen, weil Mitpatienten fernsehen, laut schnarchen oder versorgt werden müssen. Es sei auch zu befürchten, dass man sich mit multiresistenten Keimen infiziere ...

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