„Kann ich den eigentlich verklagen?“

von Thomas Gfrörer

Die Rolle von Strafrecht und Zivilrecht nach einem Unfall oder Behandlungsfehler

“Ich will, dass derjenige, der mir das angetan hat, verklagt wird und seine gerechte Strafe bekommt”, ist ein Satz, der uns in unserer juristischen Praxis sehr häufig begegnet. Gemeint ist damit der Unfallverursacher oder der Arzt, der dem Mandanten einen großen körperlichen Schaden zugefügt hat. Meist raten wir von einem solchen Schritt ab. Denn nach einem Strafprozess mag der Geschädigte zwar die Genugtuung haben, dass der Verursacher für seine Tat bestraft wurde, doch das eigentlich Wichtige ist noch offen: die finanzielle Wiedergutmachung, der Anspruch auf Schmerzensgeld und Schadensersatz, der sich zivilrechtlich aus dem Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) ableitet.

Thomas Gfrörer, Rechtsanwalt und Partner

Was passiert im strafrechtlichen Verfahren?

Im strafrechtlichen Verfahren werden Verstöße gegen das Strafgesetzbuch (StGB) nach den Richtlinien der Strafprozessordnung (StPO) verhandelt. Hat ein Staatsanwalt nach Abschluss der polizeilichen Ermittlungen Anklage erhoben, entscheidet ein Gericht nach Anhörung beider Parteien und deren Zeugen, ob der Angeklagte schuldig und folglich zu verurteilen ist. Dabei ist der Ankläger immer die Bundesrepublik Deutschland, vertreten durch einen Staatsanwalt. Der Angeklagte wird in der Regel durch seinen Verteidiger vertreten. Es gibt Straftaten, die besonders schwer wiegen, so dass das öffentliche Interesse an einer Bestrafung sehr groß ist. In diesen Fällen, so die gesetzliche Vorschrift, wird die Staatsanwaltschaft tätig. Bei kleineren Straftaten bleibt es dem Geschädigten überlassen, ob er einen Strafantrag stellen möchte oder nicht. Die Staatsanwaltschaft wird erst dann tätig, wenn ein Antrag form- und fristgerecht gestellt wurde.

Zivilrecht

Kommt es zu einer Verurteilung, hat der Geschädigte die Genugtuung, dass der Verursacher für seine Tat bestraft wird ...

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