Verfassungschützer wollten sich für “NSU” bei Angehörigen entschuldigen

von Holger Schmidt

Wollte sich entschuldigen: Verfassungsschützer Hüllen

Über die Fernsehdokumentation „Spitzel und Spione“ (WDR 13.10. um 22:00 Uhr / SWR 15.10. um 20:15 Uhr) habe ich hier schon berichtet: Zusammen mit Egmont R. Koch habe ich 40 Verfassungsschützer zu ihrem Beruf, ihrer Motivation und zum Versagen des Verfassungsschutzes im Fall “NSU” befragt. Hier möchte ich nun auf ein besonderes Erlebnis bei den Interviews eingehen: Der bemerkenswerte, aber leider gescheiterte Plan, sich bei den Angehörigen der Opfer zu entschuldigen.

Es herrscht bei vielen Beamten große Betroffenheit über die Opfer der Terrorzelle “NSU”, die man mehr als zehn Jahre nicht als solche erkannte – das war in allen von uns besuchten Verfassungsschutzämtern zu spüren (Baden-Württemberg, Brandenburg, Hamburg, Niedersachsen, Sachsen, Sachsen-Anhalt). Doch bei den Dreharbeiten in Brandenburg kam plötzlich ein ganz neuer Gedanke zum Versagen nach NSU ins Spiel. Und zwar im Interview mit Michael Hüllen, einem leitenden Mitarbeiter:

„Im Kollegenkreis wurde die Idee geboren, sich bei den Opferfamilien für die Nichtaufdeckung der Terrorzelle zu entschuldigen“, sagte uns Michael Hüllen in die Kamera. Eine Entschuldigung nicht für individuelle Fehler, sondern für den eigenen Berufsstand hätte es sein sollen. Zum Beispiel durch einen Brief der Verfassungsschützer an die Angehörigen der Opfer: „das wäre tatsächlich auch ein Weg gewesen, das hat jeder, der an der Diskussion teilgenommen hat, auch persönlich gespürt“, so Hüllen.

Doch die gut gemeinte Idee blieb auf dem Dienstweg stecken ...

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