Verfassungsschutz: “Über rote Ampeln fahren, ist bei der Observation normal!”

von Holger Schmidt

Im Keller eines Verfassungsschutzamtes

Viel ist seit NSU über den deutschen Verfassungsschutz geschrieben, gelästert und gezürnt worden. Wie unfähig, unnötig, sogar kontroproduktiv die Dienste doch seien, wie sehr der Verfassungsschutz einer grundlegenden Reform (oder besser gleich der Abschaffung?) bedürfe.

Wie berechtigt ist diese Kritik, von welchen Menschen reden wir eiegntlich, habe ich mich gemeinsam mit meinem Kollegen, dem erfahrenen Dokumentarfilmer Egmont R. Koch, gefragt. Deshalb haben wir vor rund einem Jahr den Versuch gestartet, einen ernsthaften Blick hinter die Kulissen des deutschen Verfassungsschutzes zu werfen und einige der Menschen zu portraitieren, die unsere Verfassung schützen sollen. Herausgekommen ist der Film “Spitzel und Spione – Innenansichten aus dem Verfassungsschutz”, der am kommenden Montag im WDR und am Mittwoch im SWR gezeigt wird. Ich darf schon jetzt versprechen: Es sind ersatunliche Erkenntnisse zu erwarten. In vielerlei Hinsicht.

Wir haben bei den Dreharbeiten sehr unterschiedliche Menschen kennengelernt. Solche, die für ihren Beruf “brennen” und solche, die offen zugeben, zunächst einmal nur eine Beamtenstelle angestrebt zu haben. Solche, die auch im “normalen” Leben ihrem Umfeld erzählen können, was sie arbeiten – und solche, bei denen nicht einmal der Ehepartner weiss, was sie den ganzen Tag über machen: “Ich habe das Glück, dass es meinen Mann auch gar nicht interessiert”, sagte eine Verfassungschützerin an diesem Punkt des Interviews. Eine andere Kollegin berichtet dagegen, dass ihre Ehe – auch – wegen der Geheimhaltung in die Brüche ging ...

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