Anerkennung einer namibischen Adoptionsentscheidung – das Kind als Hochzeitsgeschenk

Die Anerkennung einer ausländischen Adoptionsentscheidung nach den §§ 108, 109 FamFG, §§ 2, 5 AdWirkG scheidet grundsätzlich aus, wenn im ausländischen Adoptionsverfahren eine zureichende Kindeswohlprüfung ersichtlich nicht erfolgt ist.

Es stellt aber keinen zwingenden Versagungsgrund dar, wenn die Kindeswohlprüfung durch die Behörde am Lebensmittelpunkt des Angenommenen nach deutschen Maßstäben unvollständig ist; dies kann lediglich Zweifel an der Vereinbarkeit der ausländischen Adoptionsentscheidung mit dem deutschen ordre public begründen und ist einzelfallbezogen zu prüfen.

Ene Unvereinbarkeit mit dem deutschen ordre public ist deshalb nicht gegeben, wenn die ausländische (hier: namibische) Adoptionsentscheidung unter dem Aspekt des Adoptionsbedürfnisses die entsprechenden deutschen Anforderungen zwar nicht vollständig erfüllt, das 15jährige Kind aber zum Zeitpunkt der Entscheidung über die Anerkennung bereits seit über elf Jahren mit den Adoptiveltern in häuslicher Gemeinschaft lebt und eine intensive Eltern-Kind-Beziehung durch entsprechende Anhörungen der Beteiligten und Sozialberichte nachgewiesen ist.

In dem hier vom Hanseatischen Oberlandesgericht in Bremen entschiedenen Fall begehren die Antragsteller als Annehmende die Anerkennung einer vom Children´s Court for the District of Windhoek/Namibia am 16.04.2007 ausgesprochenen Adoptionsentscheidung. Der Ehemann ist deutscher Staatsangehöriger und lebt seit 1997 in Namibia. Die Ehefrau ist namibische Staatsangehörige. Im August 2002 haben die Antragsteller in Namibia geheiratet.

Anlässlich der kirchlichen Trauung, die im Heimatdorf der Ehefrau im Norden Namibias stattfand, wurde ihnen von einem Cousin der Ehefrau dessen 1999 geborene Tochter als “Hochzeitsgeschenk” übergeben. Dem liegt eine Tradition des Stammes der Ovakwanyama zu Grunde, dem die Ehefrau angehört. Diese Tradition sieht vor, dass einem neu vermählten Ehepaar ein Kind “geschenkt” wird ...

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