Diese Mahnung war ein Gedicht!

von Stefan Maier

Ein Makler begehrte seinen Maklerlohn vom Käufer. Da von diesem keine Zahlung erfolgte, verfasste der Makler ein Mahnschreiben und bediente sich dabei der Reimform. Das Landgericht Frankfurt sah es als angemessen an, das Versäumnisurteil gegen den nicht erschienen Beklagten auch poetisch zu veredeln.

Dem Beklagten gingen vom klagenden Makler die folgenden Zeilen als Mahnschreiben zu:

Das Mahnen, Herr, ist eine schwere Kunst!
Sie werden’s oft am eigenen Leib verspüren.
Man will das Geld, doch will man auch die Gunst
des werten Kunden nicht verlieren.

Allein der Stand der Kasse zwingt uns doch,
ein kurz’ Gesuch bei Ihnen einzureichen:
Sie möchten uns, wenn möglich heute noch,
die unten aufgeführte Schuld begleichen.

Das Landgericht Frankfurt zweifelte trotz der Reimform nicht an der Wirksamkeit der Mahnung. Da der Beklagte nicht zur Verhandlung erschien, erließ es das folgende Versäumnisurteil und blieb dabei der bisherigen Verfahrenssprache treu:

Maklerlohn begehrt der Kläger
mit der Begründung, dass nach reger
Tätigkeit er dem Beklagten
Räume nachgewiesen, die behagten.

Nach Abschluss eines Mietvertrages
habe er seine Rechnung eines Tages
dem Beklagten übersandt;
der habe darauf nichts eingewandt.

Bezahlt jedoch habe der Beklagte nicht.
Deshalb habe er an ihn ein Schreiben gericht’.
Darin heißt es unter anderem wörtlich
(und das ist für die Entscheidung erheblich):

[…] (s.o ...

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