Einzelgespräche in der Mediation

von Gerfried Braune

Die Frage, ob es erlaubt oder sinnvoll ist, mit den Medianden getrennte Einzelgespräche zu führen, ist zumindest in Deutschland sehr umstritten. Hintergrund ist, dass die meisten Lehrinstitute für Mediation den transformativen Ansatz der Medsiation zugrunde legen. Diese Form der Mediation will erreichen, dass die Medianden wirklich selbst den Konflikt lösen und hierbei Verständnis für die andere Partei entwickeln und auf der Grundlage des Verständnisses der gegenseitigen Interessen eine Lösung entwickeln. In diesem Konzept ist ein Einzelgespräch mit den Medianden kontraproduktiv, da bei Einzelgesprächen ein gegenseitiges Verständnis nur schwer entstehen kann.

Auf der anderen Seite besteht das Problem, dass eine Partei in der Mediation eventuell Informationen nicht in Gegenwart der anderen Partei preisgeben will. Es wird hier immer wieder das Beispiel genannt, dass bei einer Mediation zwischen zwei Firmen die eine Partei ungern offenlegen will, dass sie derzeit gerade Liquiditätsschwierigkeiten hat. Dies könnte die andere Partei dazu verleiten, auf Zeit zu spielen. Möglich sind aber auch andere kompromittierende Tatsachen, die eine Partei nicht der anderen auf die Nase binden will.

Denkbar wäre aber auch, dass eine Partei sich der anderen Partei unterlegen fühlt und daher Angst davor hat, sich mit dieser an einen Tisch zu setzen, oder dass Partner einer gescheiterten Beziehung zwar auf der einen Seite eine gütliche Einigung anstreben, auf der anderen Seite aber so viele Emotionen noch im Spiel sind, dass man nicht in der Gegenwart des anderen verhandeln will.

Hinzu kommt, dass die Vertraulichkeit im Rahmen der Mediation gelegentlich brüchig sein kann. Klar ist, dass der Mediator zur Verschwiegenheit verpflichtet ist. Das ist im Mediationsgesetz geregelt ...

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