Ein paar Anmerkungen zur Inzestverbot-Debatte im Allgemeinen und zur FAZ im Besonderen

von Maximilian Steinbeis

Eigentlich gibt es aus meiner Sicht nichts, was in Sachen Inzestverbot dem phänomenalen Minderheitsvotum von Winfried Hassemer von 2008 noch hinzuzufügen wäre. Leuten für das, was sie – noch dazu im Innersten ihres Intimbereichs – tun, Gefängnisstrafen anzudrohen, darf man nur, wenn man präzise angeben kann, zum Schutz welchen Rechtsgutes das nötig ist. Und das kann man bei dem gesellschaftlichen Tabu Geschwisterliebe nun mal nicht. Die Rechtsgüter, die man sich da mit viel Mühe einfallen lassen kann, sind entweder gar keine (Schutz behinderter Kinder davor, geboren zu werden) oder sie passen gar nicht auf das konkrete Verbot und wirken vorgeschoben (Schutz von Ehe und Familie, Schutz der sexuellen Selbstbestimmung).

Das ist aber, wie schon das Stimmverhältnis im Zweiten Senat von 7:1 zeigt, eine weiterhin sehr umstrittene Position, und deshalb kann eigentlich niemand etwas dagegen haben, wenn der Ethikrat sich dieser Debatte annimmt und tut, was seine Aufgabe ist: alle ethischen, rechtlichen, medizinischen und sonstigen Aspekte und Argumente ermitteln, zusammenführen, diskutieren, wägen und gewichten, auf dass Gesellschaft und Politik sich in dem schwierigen Gelände, in dem sie sich bei der Lösung ethisch heikler Problemfragen nun einmal bewegen, nicht verlaufen. Das hat der Ethikrat getan, und das Ergebnis fällt genau umgekehrt aus als im Karlsruher Senat: Hier ist die Mehrheit dafür, die Geschwisterliebe zu entkriminalisieren.

Kann man daran Anstoß nehmen? Man kann natürlich anderer Meinung sein, gerne auch cum ira et studio, und dass mein geschätzter Kollege Reinhard Müller im Politikressort der FAZ die Erwartungen seiner “Wo-kommen-wir-denn-da-hin”-Stammleser zufrieden stellen würde, war ebenso vorhersehbar wie in Ordnung ...

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