Die positive Armut sitzt mit am Tisch

von Christian Wolf
„3000 Euro“ ist nicht „Sickster“. Thomas Melle hat mit „3000 Euro“ einen neuen Roman geschrieben. Die Kritik ist sich nicht so ganz einig, was sie von ihm halten soll. Es ist ein Roman aus der Unterschicht unserer Gegenwart geworden, knapp 200 Seiten stark. Dabei sollte man aber auch kein Epos eines Hans Fallada erwarten, der mit seinen immer noch aufgelegten Romanen „Jeder stirbt für sich allein“ und „Kleiner Mann was nun“ grandiose Abbilder der kleinen Leute im Berlin der 20er Jahre des vergangenen Jahrhunderts gezeichnet hat. Darum geht es bei Thomas Melle nicht. An seinen grandiosen Roman „Sickster“ knüpft Thomas Melle diesmal nicht an. Deshalb ist „300 Euro“ aber nicht schlecht. Lesenswert ist er allemal.

„3000 Euro“ ist eine Geschichte von unten und ganz unten. Es ist ein Buch von Gescheiterten, über Scheiternde – und über kleine Leute, die in ihrem tristen Alltag zwischen KITA, RTL II, Casting-Shows und ihren immer wieder scheiternden Beziehungen ihren Weg zu gehen versuchen. Und über Hilflosigkeit, das Ungesagte, Unsagbare in einer Gesellschaft, die sich die Kommunikation als Paradigma auf den Leib schreibt.

Der Flaschensammler und die Kassiererin

3000 Euro ist ein Buch über Anton, den gescheiterten Jura-Studenten aus dem Obdachlosenheim und Denise, die Amateur-Pornodarstellerin, alleinerziehend, mit einer lernbehinderten Tochter. Anton wartet auf seinen Gerichtstermin. Es geht in der Geschichte vordergründig um (lediglich) 3000 Euro. Um die streitet Anton, der in den letzten Jahren immer weiter abgerutscht ist, ohne es zu merken – oder merken zu können. Der die Kurve mehrfach nicht mehr bekommen hat, bis er schließlich in der Psychiatrie gelandet ist. Es gibt Anspielungen, die auf eine Manie hindeuten, in dem Gerichtsverfahren geht es um seine Geschäftsfähigkeit, als er einen Sommer zuvor übermütig Verträge schloss, Geld ausgab, das er nicht hatte ...

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