Bio-Tragetaschen – ein großer Schwindel?

von Thorsten Blaufelder

Plastiktüten, die nach den Anforderungen einer DIN-Vorschrift biologisch abbaubar sind, sind es in der praktischen Realität noch lange nicht. Mit Urteil vom 08.07.2014 hat das Oberlandesgericht (OLG) Köln eine Schadenersatzklage gegen die Deutsche Umwelthilfe wegen entsprechender Behauptungen abgewiesen (AZ: 15 U 28/14). Die schriftlichen Urteilsgründe hat die Umwelthilfe am Donnerstag, 25.09.2014, veröffentlicht.

Anlass des Streits waren Tragetüten von Rewe sowie Aldi Nord und Süd, die zum Teil aus Polymilchsäure bestehen. Die Händler hatten die Tüten als kompostierbare „Bio-Tragetaschen“ beworben. Sie erfüllen eine entsprechende DIN-Vorschrift und verrotten unter bestimmten Bedingungen innerhalb von zwölf Wochen. Auf einem normalen Komposthaufen im Garten verrotten sie auch nach Herstellerangaben nicht.

2012 führte die Deutsche Umwelthilfe eine Umfrage bei 400 der insgesamt 999 deutschen Kompostieranlagen durch, von denen 80 antworteten. Die Betriebe gaben Verweildauern des Biomülls in ihren Anlagen zwischen einer und acht Wochen an. Fast durchweg erklärten sie daher, die Tragetüten könnten nicht kompostiert werden; sie würden mühsam aussortiert.

Gestützt darauf mahnte die Deutsche Umwelthilfe Aldi und Rewe erfolgreich wegen Verbrauchertäuschung ab. Die Handelsketten verwenden die vermeintlichen Bio-Tüten nicht mehr. In zwei Pressemitteilungen vom April 2012 erklärte die Umwelthilfe, die Tragetaschen aus vermeintlichem „Biokunststoff“ seien nicht wirklich kompostierbar und hätten gegenüber normalen Plastiktüten keine ökologischen Vorteile ...

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