Am Tag des Referendums: Notizen aus Edinburgh/Schottland

Donnerstagmorgen, 8:00 am. Über Schottlands Hauptstadt liegt ein grauer Nebelschleier, und die Stadt steht still, fast so, als ob nichts wäre. “Yes oder No, wie auch immer Schottland heute entscheidet, die Sonne wird sich in weiten Teilen des Landes zeigen!”, verspricht jedoch der Wettermann auf BBC. Naja, schau’n wir mal.

8.30 am. Ich mache mich auf den Weg zur Arbeit. Nachdem ich mir im Doppeldeckerbus Richtung Princes Street einen Platz und eine Tageszeitung erkämpft habe, schlage ich die erste Seite auf: Use don’t lose your right to vote! prangt es in fetten Lettern. Das ist wohl das neutralste Statement, das ich seit Tagen gelesen, gesehen oder gehört habe. Lief man durch die Straßen von Edinburgh, so glaubte man, fast schon seine eigene Stimmenauszählung machen zu können. War es der smarte Anzugträger auf dem Weg zur Arbeit, die Mutter mit ihrem rotgelockten Kind, das alte Ehepaar im traditionellen Kilt oder der junge Student, der dich mit einem fröhlichen ‘Heya!’ begrüßte: Jeder zweite unter ihnen präsentierte mit einem Yes- oder No-Button auf der Brust, wie er heute, am 18. September, wählen wird. Das Referendum hat die Menschen in Schottland polarisiert. Die Debatte ist emotional aufgeladen und jeder steht hinter seiner Meinung – und das mit großer Leidenschaft. Ich frage mich: Ist das denn etwas Schlechtes? Wieviel Leidenschaft verträgt eine politische Meinung? Wie nationalistisch ist der schottische Nationalismus denn nun wirklich, und was ist dran an schottisch-englischer Rivalität?

9:00 am. Ich komme in der Kanzlei an, wo die meisten schon in ihre Arbeit vertieft sind. Ob sie schon wählen war, frage ich Heather, die mir gegenübersitzt. Nein, das mache sie später, antwortet die ganz nüchtern und mir kommt es so vor, als sei ich viel aufgeregter darüber, was heute passiert. Ganz anders reagiert ein schottischer Kollege, den ich später in der Küche treffe ...

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