Ein sehr berechtigter Freispruch

von Rainer Pohlen

Strafrechtlich war der Fall, in dem ich heute vor dem Mönchengladbacher Amtsgericht verhandelt habe, eigentlich eine Bagatelle. Dem Mandanten war´s aber wichtig, weil er bei einem öffentlichen Arbeitgeber beschäftigt ist und seine reine Weste behalten wollte.

Der Vorwurf lautete auf einfache Körperverletzung. Der Anklage zufolge soll der Mann, der nebenbei für einen Bauunternehmer im Rahmen eines geringfügigen Beschäftigungsverhältnisses gearbeitet hat, seinem Auftraggeber einen Faustschlag vor den Hals versetzt haben, nachdem dieser ihm das Arbeitsverhältnis Gekündigt hatte und den Schlüssel für das Bauvorhaben herausverlangte.

Völlig grundlos und überraschend, so hatte der Bauunternehmer in seiner Strafanzeige behauptet, hätte der Angeklagte ihm den Faustschlag versetzt,, als er nach dem Schlüssel greifen wollte. Ein weiterer Bauhelfer sei dazwischen gegangen und hätte den Angreifer von weiteren Aggressionen abgehalten und sich noch bei ihm entschuldigt. Er gehe davon aus, dass seine Nachbarin, bei der er danach geklingelt hätte, dies Alles gesehen und zumindest gehört habe.

Mein Mandant hat den Vorfall ganz anders dargestellt. Der Bauunternehmer habe den Schlüssel haben wollen, woraufhin er gesagt hätte, er wolle zuerst das ihm noch zustehende Geld haben, dann werde er den Schlüssel herausgeben. Der Bauunternehmer sei daraufhin aggressiv geworden und hätte ihn am Handgelenk gepackt. Jetzt sei der andere Bauhelfer dazwischen gegangen. Daraufhin hätte der Unternehmer sich plötzlich theatralisch an den Hals gepackt, laut um Hilfe geschrien und sei sodann zur Nachbarin gelaufen. Er sei daraufhin mit dem Bauhelfer davongefahren, beide hätten sich noch über die Showeinlage amüsiert. Von der Strafanzeige, die der Bauunternehmer danach gegen ihn erstattete, sei er ziemlich überrascht gewesen.

Am ersten Verhandlungstag hat der Bauhelfer die Version meines Mandanten bestätigt ...

Zum vollständigen Artikel

Cookies helfen bei der Bereitstellung unserer Dienste. Durch die Nutzung erklären Sie sich mit der Cookie-Setzung einverstanden. Mehr OK