Open Office: Umstrittene Vorlagen am Bundesgericht

von Martin Steiger

Am Schweizerischen Bundesgericht kommt seit über 10 Jahren Open Source-Office-Software zum Einsatz, momentan Apache OpenOffice. Daniel Brunner, Dienstchef «Informatik», hielt dazu an der «LibreOffice Konferenz 2014» einen informativen Vortrag (PDF), dessen Aufzeichnung bei YouTube veröffentlicht wurde.

Für Schlagzeilen sorgte nun aber nicht Kritik aus Privatwirtschaft, Erklärungen zum Open Source-Geschäftsmodell oder der Vergleich zwischen der Abhängigkeit von externen Software-Anbietern mit dem Schnupfen von Kokain, sondern dass Äusserungen zur Verwendung von Vorlagen am Bundesgericht nachträglich «zensuriert» wurden, wie die NZZ am Sonntag schreibt:

«Auch Richter arbeiten heute am Computer […]. Dass sich Informatik in Gerichten zunehmender Beliebtheit erfreut, hat damit zu tun, dass sie die Arbeit erleichtert. […] [A]n einzelnen Gerichten gibt es inzwischen ganze Systeme von offiziellen Textbausteinen. Die Rechtsprechung mit dem Legokasten hat indes ihre Tücken, denn nicht jedes Gebilde von ineinander passenden Steinen stimmt am Schluss auch.

Etliche Richter […] sehen das Ganze denn auch sehr skeptisch. Ihnen fiel vergangene Woche der neue Leiter des Informatikdienstes in den Rücken, als er an einer Open-Source-Tagung in Bern behauptete, die Urteile des Bundesgerichts seien schon zu 60 bis 70 Prozent generiert, wenn sie aus dem System kämen ...

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Daniel Brunner: 10 Jahre Open Source Office-Einsatz am höchsten Gericht der Schweiz

10 Jahre Open Source Office-Einsatz am höchsten Gericht der Schweiz Daniel Brunner, Leiter Informatikdienst am Schweizerischen Bundesgericht Im Jahre 2001/2002 migriert das höchste Gericht der Schweiz auf OpenOffice. Nach einer kurzen Übersicht der Open Source IT-Strategie des Bundesgerichts erklärt Daniel Brunner in seinem Referat wie es zur Wahl der Office-Suite kam, was bei einer Migration zur quelloffenen Bürokommunikations-Software zu berücksichtigen ist, welche Erfahrungen er in den mehr als 10 Jahren Einsatz gemacht hat und wie er die Trennung zwischen LibreOffice und OpenOffice betrachtet. Daniel Brunner ist IT-Leiter und technischer Leiter Software-Entwicklung am Schweizerischen Bundesgericht. Er hat zahlreiche strategische Informatik-Projekte geleitet, ist Open Source Software Spezialist und hat Erfahrung in der Entwicklung und Durchführung von IT-Strategien. Daniel Brunner hat an der Eidgenösischen Technische Hochschule Lausanne studiert und hat Weiterbildungen in Database Technologien und Software Programmierungs-Technologien absolviert.


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