Die neue Marktmissbrauchsverordnung: Fluch und Segen?

Knapp drei Jahre sind seit dem ersten Verordnungs-Vorschlag der EU-Kommission vergangen. Am 2. Juli 2014 ist die neue Marktmissbrauchsverordnung (market abuse regulation – MAR) nun endlich in Kraft getreten. Die ab 2016 geltenden Vorschriften werden die Regelungen des deutschen Wertpapierhandelsgesetzes (WpHG) zur Bekämpfung von Insidergeschäften und Marktmanipulation sowie zur Ad hoc-Publizität ablösen. Börsennotierte Unternehmen sollten sich auf die Neuerungen frühzeitig vorbereiten.

Für Emittenten an regulierten Märkten gibt es zunächst eine gute Nachricht: Die aus dem WpHG bekannten Grundstrukturen des Marktmissbrauchsrechts bleiben von der MAR unangetastet. Die Musik spielt allerdings in den zahlreichen Details, die hinreichend Stoff für eine zweite, schlechte Nachricht bieten:

Erweiterung des Anwendungsbereichs

Ähnlich dem Umfang des Verordnungstextes, der sich seit dem ersten Entwurf in etwa verdoppelt hat, wurde auch der Anwendungsbereich des Marktmissbrauchsrechts erheblich ausgeweitet. Der europäische Gesetzgeber reagiert damit auf eine nachhaltige Verlagerung der Liquidität von den geregelten Märkten hin zu alternativen Handelsplattformen und die damit verbundene Verlagerung missbräuchlicher Verhaltensweisen.

Künftig gilt das volle Regulierungsspektrum auch für Finanzinstrumente an multilateralen und anderen organisierten Handelssystemen sowie für Derivate.

Insbesondere der deutsche Freiverkehr einschließlich seiner Qualitätssegmente (etwa Entry Standard oder m:access), dessen Attraktivität der Bundesgerichtshof jüngst erst mit seiner Delisting-Entscheidung gefördert hatte, wird künftig mit einem Regulierungsniveau zu kämpfen haben, welches weitgehend dem des regulierten Marktes entspricht ...

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