Beleidigung des Chefs („Psychopath“ „Irrer“ „Arschloch“) rechtfertigt nicht ohne weiteres eine Kündigung

von Markus Stoffels

Pöbelnde Mitarbeiter, die in Abwesenheit ihres Chefs im Kreise der Kollegen oder in sozialen Netzwerken über diesen herziehen und dabei beleidigende Ausdrücke verwenden, beschäftigen die Gerichte immer wieder. Hier stellt sich meist die Frage, ob der Arbeitgeber solche Vorkommnisse zum Anlass einer – häufig außerordentlichen – Kündigung nehmen kann. Die Linie der Instanzgerichte ist nicht einheitlich. Mal kann der Arbeitnehmer auf Milde hoffen, ein anderes Mal hingegen wird er in seine Schranken verwiesen. Zwar sind selbstverständlich die jeweiligen Umstände des Einzelfalls zu würdigen, auf der anderen Seite sollte es doch absolute Grenzen geben, die nicht überschritten werden sollten. In die Kategorie „bemerkenswert großzügig“ fällt ein neueres Urteil des LAG Rheinland-Pfalz (24.07.2014 - 5 Sa 55/14, BeckRS 2014, 72059). Folgendes hat sich ereignet: Am 10.07.2013 gegen 12:45 Uhr hielt sich der Kläger im Rauchercontainer auf. Ebenfalls anwesend waren die Arbeitskollegen G. und K. sowie ein Leiharbeitnehmer. Der Kläger schimpfte in diesem Kreis über seinen Vorgesetzten, der in tags zuvor aus seinem Büro verwiesen hatte. Er äußerte wörtlich: „Der ist irre, der dürfte nicht frei rumlaufen“, „der ist nicht normal“. Als der Vorgesetzte am Rauchercontainer vorbeilief, äußerte er: „Da läuft er ja, der Psycho“, „der wird schon sehen, was er davon hat“. Nach dem Vorbringen der Beklagten soll der Kläger geäußert haben: „Da läuft ja der Psychopath“, „der ist nicht richtig im Kopf“, „der gehört in die Psychiatrie, weil er psychisch krank ist“, „der gehört eingesperrt“. Außerdem soll er seinen Vorgesetzten als „Arschloch“ bezeichnet und gedroht haben: „Der wird sich noch wundern, ich lasse mich nicht einfach aus dem Büro werfen“, „der wird schon noch sehen, was er davon hat“ ...

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