Sind 4 Jahre eine angemessene Strafe für eine mittlere Körperverletzung? Und was sind besondere Umstände im Sinne des § 56 Abs. 2 StGB?

von Rainer Pohlen

Der Fall, in dem ich gestern gemeinsam mit dem Kollegen Gerd Meister vor dem Schöffengericht in Bielefeld verteidigt habe, war schon ein wenig ungewöhnlich. Da hatten nämlich im November des letzten Jahres zwei Brüder, die von einem Bielefelder Autohändler um rund 213.000 Euro betrogen worden waren und nach teilweise erfolgreicher Vollstreckung noch mehr als 110.000 Euro offene Forderungen hatten, einen Ausraster bekommen, als sie den damals schon rechtskräftig verurteilten Betrüger anlässlich eines Gerichtstermins vor dem Bielefelder Landgericht vorbeikommen sahen. Einer der Brüder war aus dem gerade abgeparkten Fahrzeug gesprungen und hatte den Mann unmittelbar vor dem Eingang zum Gericht unter den Augen zahlreicher Zeugen mit zwei oder drei Fausthieben zu Boden gestreckt. Der andere war hinterher gekommen und wollte – so hat er bekundet – seinen Bruder eigentlich von weiteren Schlägen abhalten. Als er den Mann, der ihn und seine ganze Familie mit dem Betrug in massive wirtschaftliche Probleme gebracht hatte, dann unmittelbar vor sich sah, verlor er die Fassung und versetzte dem Mann einen Tritt, der dessen linke Wange traf. Die war daraufhin ganz schön angeschwollen, wobei die vorangegangenen Faustschläge dazu beigetragen haben dürften. Der Mann, der sehr benommen gewesen sein soll, kam ins Krankenhaus, wo im wesentlichen eine Gesichtsprellung ohne knöcherne Verletzung und vorübergehende Sehstörungen auf einem Auge diagnostiziert wurden, die nach 2 Wochen wieder verschwunden waren.

Beide Brüder ließen sich danach widerstandslos festnehmen. Laut Zeugenaussagen sollen sie immer noch sehr aufgebracht gewesen sein. Der Mann habe ihr Leben zerstört und die Existenz vernichtet, soll einer der Beiden gesagt haben, und sie sollen noch weitere Drohungen in Richtung des Tatopfers ausgestoßen haben ...

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