Achtung, Anwalt mit Alukoffer: Konfliktverteidigung um Bonner Taschenbombe

von Holger Schmidt

„Tiefenentspannt“ ist ein Lieblingswort von Mutlu Günal, der ab Montag den Hauptangeklagten Marco G. im Prozess um die Bonner Taschenbombe und die Anschlagsplanung auf rechtsextreme ProNRW-Politiker vertritt. Allerdings fällt auf, dass der Bonner Strafverteidiger das Wort nur im Kontext seiner Mandanten und sich selbst benutzt.

„Wenig entspannt“ sind dagegen nach Günals Eindruck die diversen Ermittler und Staatsanwälte, mit denen er zu tun hat. Besonders, wenn sie die roten Roben der Bundesanwaltschaft tragen. Günal mag den Konflikt mit ihnen offenkundig besonders, sieht darin eine Art Sport („das ist Champions League“), geht an die Grenzen des Erlaubten. Wer in diesem „Spiel“ cool reagiert, kriegt seinen Respekt. Eine Berufsauffassung, die manche Staatsanwälte als standeswidrig ansehen. Dabei wäre Günal am Ende seines Studiums fast selbst bei einer Sicherheitsbehörde gelandet – sagt er heute.


Betrachtet man seine aktuelle Kundschaft, ist dieses Bekenntnis vermutlich Geschäftsschädigung. In den vergangenen Jahren hat er mehrfach in Staatschutzverfahren vor den Oberlandesgerichten München, Düsseldorf, Frankfurt am Main und Berlin verteidigt. Die Frau von Fritz Gelwoicz, dem Anführers der „Sauerlandgruppe“, zum Beispiel. Männer, die nach Waziristan in ein Terrorcamp gereist sind oder es wollten. Männer, die in eine startbereiten Flugzeug oder spekatkulär vom BKA in der Bonner Fußgängerzone festgenommen wurden.. Auch den „Hassprediger“ Ibrahim Abou Nagie hat er vertreten und dabei die Ermittlungsbehörden vorgeführt. Unbekannte – die Günal vermutlich ebenfalls für „unentspannt“ hält – haben ihm in dieser Zeit einen Schweinekopf per Post geschickt. Ihm scheint so etwas egal zu sein.

Zusammen mit Wolfgang Heer, der aktuell Beate Zschäpe im „NSU-Verfahren“ verteidigt, hat er 2010 ein Islamisten-Verfahren am Stuttgarter Landgericht platzen lassen ...

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