Gutachten über die Eignung der Frau zum Strafrichter

von Mirko Laudon

Strafrichterinnen gehören heutzutage – glücklicherweise – zum gewöhnlichen Erscheinungsbild in deutschen Gerichtssälen. Nahezu die Hälfte aller Richter sind mittlerweile weib­lich, so dass bei Neueinstellungen teilweise schon über eine Männerquote nachgedacht wird.

Dies war freilich nicht immer so: Im Jahr 1921 bedurfte es eines Gutachtens des Direktors an der Universitäts-Frauenklinik der Berliner Charité Prof. Dr. Ernst Bumm über „die Eignung der Frau zum Strafrichterberuf“. Darin kommt er zu dem Urteil:

Berufe, welche ruhiges Arbeiten in vorgeschriebenen Bahnen verlangen, erfüllt die Frau so gut wie der Mann. Wo rasche Entschlussfähigkeit und große Verantwortung in Frage kommen und besondere Ansprüche an kaltblütiges, von momentanen Stimmungen unabhängiges Urteilen und Handeln gestellt werden, passt die Frau nicht.

Frauen seien demnach aufgrund ihrer Emotionalität und der biologisch bedingten Stimmungsschwankungen zu objektiven Urteilen nicht in der Lage, so dass es schlichtweg undenkbar sei, sie über andere zu Gericht sitzen zu lassen. Dennoch eröffnete im Jahr 1922 das Gesetz „über die Zulassung der Frauen zu den Ämtern und Berufen der Rechtspflege“ den Frauen – jedenfalls theoretisch – den Weg in die juristischen Berufe.1 1927 wurde dann mit Dr. Maria Hagemeyer die erste deutsche Richterin in Bonn ernannt ...

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