Besser auf die sanfte Tour

von Mirko Laudon

Kein „Tatort“ und kaum eine amerikanische TV-Serie kommt ohne sie aus: Die harten und unerbittlichen Kommissare, die aus jedem Verdächtigen die Wahrheit herausbekommen. Aber sind solch rohen Verhörpraktiken bei der Vernehmung von Beschuldigten wirklich hilfreich?

Empathische Vernehmungsmethoden sind effektiver als aggressive Verhöre // Foto: Pa­tri­cia Schenk / Photocase.de

Jedenfalls dann nicht, wenn man von dem Verdächtigen verwertbare Informationen erhalten möchte. Abgesehen davon, dass in § 136a StPO ausdrücklich verbotene Vernehmungsmethoden aufgeführt sind, eignen sich subtile Techniken weitaus besser – als besonders effizient hat sich eine Praktik erwiesen, die man aus der Suchttherapie kennt. Dies belegt nun auch eine Studie vom „Institut für Risiko und Unsicherheit“ der Universität Liverpool, die 288 Stunden Ton– und Videoaufzeichnungen von Verhören analysiert haben, die britische Spezialisten mit 29 später Verurteilten Terrorverdächtigen geführt haben.1

Bereits milder Druck schadet der Vernehmung mehr als er ihr nützt

Die motivierende Gesprächsführung, eigentlich für die Suchttherapie entwickelt, lässt sich auch als Vernehmungsmethode überaus erfolgreich einsetzen. Sie setzt darauf, ein gutes Verhältnis zum Gegenüber aufzubauen, um eine kooperative Atmosphäre zu schaffen, die von Respekt und Mitgefühl getragen ist. Laurence Alison, Professor für forensische und investigative Psychologe an der Universität Liverpool überschrieb seine Studie deshalb mit dem Titel „Warum die harte Taktik versagt und ein gutes Verhältnis Ergebnisse bringt“.2

Die offene Atmosphäre mache es für dem Beschuldigten zwar möglicherweise schwerer, falsche Angaben zu machen oder belastende Informationen zu verschweigen. Dennoch bleibe ihm zumindest die freie Entscheidung, Antworten zu geben oder diese eben zu verweigern ...

Zum vollständigen Artikel

  • Mitgefühl hilft beim Verhör mehr als Brutalität

    tagesanzeiger.ch - 38 Leser - Subtile Verhörmethoden holen mehr Informationen aus verdächtigten Terroristen heraus als brutale Folter. Besonders effizient ist eine Praktik, die man aus der Suchttherapie kennt.

Cookies helfen bei der Bereitstellung unserer Dienste. Durch die Nutzung erklären Sie sich mit der Cookie-Setzung einverstanden. Mehr OK