Die Geburt des „Smear-Effektes“ als Entscheidungsgrundlage für Bußgeldentscheidungen

von Daniel Nowack

Bei Geschwindigkeitsmessungen mit dem Messgerät „PoliscanSpeed“, im (polizeilichen) Volksmund auch gerne einmal hanebüchenerweise als „Super-Blitzer“ bezeichnet, war es bis in den letzten Sommer hinein möglich, die Plausibilität der jeweiligen Messung zu beurteilen. Die technische Messwertgewinnung wird geheim gehalten, was von der Zulassungsbehörde PTB gedeckt und mit urheberrechtlichen Argumenten begründet wird. Den Sachverständigen blieb daher meist nur die Auswertung von den abgebildeten Auswerterahmen und die Berechnung der Geschwindigkeit aufgrund des sog. „Smear-Effektes“, was jedoch stets als niemals gerichtsverwertbar und viel zu ungenau angesehen wurde.

Als „Smear-Effekt“ werden bei digitalen Kameras Lichtspuren (helle Streifen) im Bild bezeichnet, die bei besonders hellen Lichtquellen im Bildbereich auftreten. Die Ursache für diesen optischen Effekt ist die Art der Bildauswertung bei sog. CCD-Sensoren. Hierbei handelt es sich um lichtempfindliche elektronische Bauelemente, wobei der Smear-Effekt dadurch auftritt, dass der CCD-Sensor nach der Belichtung die in den Speichern vorhandenen Ladungen schrittweise in vertikaler Richtung verschiebt, bis sie als Ladungspakete einer nach dem anderen den Ausleseverstärker erreichen. Hat die Lichtquelle keine Eigengeschwindigkeit, sind diese Streifen senkrecht, anders jedoch, wenn die Lichtquelle eine ausreichende Geschwindigkeit besitzt. In diesem Falle verlaufen diese Streifen in einem entsprechenden Winkel zur Senkrechten, wobei dann anhand des dabei entstehenden sog. Smear-Winkels Rückschlüsse auf die Geschwindigkeit möglich sind.

Ein Amtsgericht im OLG-Bezirk Karlsruhe hat aufgrund eines Sachverständigengutachtens entschieden, dass auch wenn die Messung an sich nicht verwertbar ist, allein aufgrund der Berechnung anhand des „Smear-Effektes“ eine Verurteilung möglich ist und entsprechend geurteilt ...

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